Es war gegen Ende des Jahres 1999, als ich mich - bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahnsinnig an der Parfumeurskunst interessiert - in meinen ersten großen Duft verliebte. Ich sang damals Background in einer Band und teilte das Hotelzimmer mit der zweiten Sängerin, und so geschah es eines Samstags im Spätherbst, dass ich an ihrem Parfum roch, das da stand; und es war nichts Geringeres als "Opium" von Yves Saint Laurent. Es hatte sie an diesem Wochenende wie eine warme, einladende, freundliche Aura umgeben, wobei, danke Zufall, sie es nicht immer benutzte und wir uns kurz danach völlig aus den Augen verloren haben. Wie magisch ich mich zu diesem Duft hingezogen fühlte! Ich wollte, musste ihn an mich bringen. Gleich am Montag zog ich los, um ein Fläschchen zu erstehen, und ließ fortan mein Jil Sander "Sun" in irgendeinem Eck verstauben.
"Opium" steht bis heute in zweifacher Ausführung in meinem Badezimmerschränkchen; ich besitze neben der modifizierten aktuellen Version aus 2009 auch noch die ältere, die ich horte wie einen Schatz, weil sie wilder ist, dunkler und animalischer. Und obwohl ich dieser Ikone bis heute treu bin und sie jahrelang ausschließlich trug, blieb es nicht bei dieser unanfechtbaren Diva unter den Orientalen. Heute befinden sich in meiner Sammlung neben Chanel No 5 auch zarte Eau de Toilettes, zum Beispiel der hübsche Lavendelduft von Bronnley, oder das zitronige Lemon & Ginger von 4711, und ein paar Gourmands, zum Beispiel Chopards "Wish" und sein außerirdischer Zwilling "Angel" von Mugler, den ich als Pröbchen bekam, als ich wieder einmal mein "Opium" kaufte, 15 Jahre völlig vergaß und dann wieder in mein Leben holte.
Warum ich das alles erzähle? Weil es mich zum Kosmetikrühren brachte. Ich bin, was Düfte angeht, sehr pingelig. Eine Bodylotion aus dem Drogeriemarkt, schrill parfümiert mit synthetischen Duftnoten, die ebenso gut in einem Spülmittel oder Badreiniger eingesetzt werden könnten, und da drauf dann "Opium", "Angel" oder "Chanel No 5"? Das ging sich für meine Nase nie aus. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele fast volle Tuben und Flaschen mit Körperpflege auf meinem Weg liegen, weil sie meine Nase beleidigten. Es gab immer gerade noch akzeptable Lösungen, aber glücklich war ich nie.
So kam ich dann ca. 2010 über den Umweg des Seifensiedens aufs Selberrühren, und seither gestalte ich mir meine Körperpflege genau meinen olfaktorischen Bedürfnissen entsprechend. Da ich, was Parfüms anbelangt, sehr stark auf der orientalischen, pudrigen und gourmandigen Seite angesiedelt bin, ist es nicht verwunderlich, dass ich meine Cremes gern mit ein wenig Vanille, Nelkenknospe, Orangenblüte, Ylang Ylang, Benzoe, Rose, Palmarosa, Hölzern und Weihrauch verfeinere. Damit schaffe ich eine dezente Basis, die genau zu den Düften passt, die ich trage; die ihnen eine Bühne bereitet und sich leise im Hintergrund hält (dass ich meiner Haut damit etwas Gutes tue, versteht sich von selbst, denn ich verwende wenige Zutaten, keine synthetischen Zusatzstoffe und als Konservierung reinen Weingeist).
Gestern, und hier kommen wir nun endlich zum Rezept, habe ich mir eine hübsche Version meiner "Creme für alles" gerührt, meine Standardpflege, die dank unkompliziertem Emulgator ganz schnell geht, wunderbar duftet und die Haut mit viel Feuchtigkeit versorgt: voilà, das Vanillebussi!
Fettphase
- 10 g Mandelöl
- 10 g Wiesenschaumkrautöl
- 15 g Monoi de Tahiti/Vanille
- 8 g Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate (Lamecreme)
- 2 g Cetylalkohol (optional - der Emulgator Lamecreme kommt ganz gut ohne Co-Emulgatoren und Konsistenzgeber aus)
Wasserphase
- 80 g Rosenwasser*
- optional 1 Msp. Allantoin
Wirkstoffphase/Duft
- optional 20 Tropfen D-Panthenol
- je 2 Tropfen Benzoe siam, Cananga und Palmarosa
- Konservierung nach Wahl/Dosierung nach Herstellerangabe. *Ich konserviere mit 96-prozentigem Weingeist über die Wasserphase, das sind in diesem Fall 69,7 g Rosenwasser und 10,3 g Weingeist. Die Haltbarkeit beträgt damit 6-8 Wochen.
Und so geht's:
Alle Zutaten der Fettphase und die Wasserphase in separaten Gefäßen gemeinsam im Wasserbad erwärmen, bis die Fettphase klar aufgeschmolzen ist, dabei das Allantoin, so gewünscht, im Rosenwasser auflösen. Die Wasserphase schluckweise zur Fettphase geben und etwa 2 Minuten mit einem geeigneten Mixer (es reicht ein Gerät mit kleinem Schneebesenaufsatz) emulgieren, dann sanft händisch weiterrühren, bis die Emulsion auf Handwärme abgekühlt ist. Nun optional das D-Panthenol und die ätherischen Öle einarbeiten und in desinfizierte Tiegel abfüllen.
Das Vanillebussi ist übrigens die Bühne für meinen aktuell bevorzugten Liebling "Wish", der mich in den letzten Wochen auf Schritt und Tritt begleitet. 🙂
Über Kommentare, Anregungen, Erfahrungen und dufte Geschichten freue ich mich wie immer sehr.

[Disclaimer/wichtiger Hinweis: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin, Chemikerin oder Kosmetikerin noch Botanikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]