Springe zum Inhalt

Ich für meinen Teil - und das ist jetzt die, wenn auch zugegebenermaßen etwas phantasielose, aber zumindest ehrliche Einleitung zu dem ersten kulinarischen Rezept, das ich hier posten werde - ich für meinen Teil esse gerne scharf. Nicht bei jeder Mahlzeit und nicht auf Biegen und Brechen, aber eben einfach gerne. Und wenn, dann wirklich.

Jetzt hat man es als Chilihead nicht so leicht, zu seinem Capsaicin zu kommen, wenn man über Tabascosauce, Sambal Oelek und Konsorten bestenfalls liebevoll schmunzeln kann und stellt im Leben, ihr ahnt schon, was die Autorin gleich sagen wird, sehr früh fest, dass auf der Suche nach dem nächsten Pepper-High kein Weg am Selbermachen vorbeiführt.

Aber das ist wieder einmal einfacher, als man denken würde. Wer dem Chili con Carne, der Bohnensuppe, dem Wokgericht oder bloß seinen Tortilla-Chips mit Salsa beim Filmschauen zu ein bisschen Wumms verhelfen möchte, hat mannigfaltige Möglichkeiten; auch abseits der eigenen Chilizucht. Ein paar scharfe Helferlein bekommt man sogar im Supermarkt: Es lohnt sich für den Capsaicin-Adepten von Welt immer, die Augen in der Gemüseabteilung offen zu halten, wo man mit ein bisschen Glück Thai-Chilis, gelegentlich frische African Bird's Eyes, Habaneros, ja sogar Scotch Bonnet und, festhalten, Carolia Reaper (derzeit die schärste Chilisorte der Welt) ergattern kann, in manchen Asia-Abteilungen findet man ganz respektable gestoßene Chilis, und wenn man sich umsieht, kann man in gut sortierten Kräuter- und Gewürzabteilungen (zum Beispiel auf Wochenmärkten oder im Bio-Markt) zum wunderbaren, die Lippen betäubenden und sehr aromatischen Szechuan-Pfeffer kommen. Natürlich wird man früher oder später den Versandhandel bemühen. Globalisierung sei dank kann man ja hunderte große und kleine Shops rund um das Thema Chili finden, wo man von der scharfen Sauce über getrocknete Schätzchen bis hin zu frischen Früchten wirklich alles kaufen kann. Ich persönlich habe einen großen Vorratsschrank mit getrockneten Chilis in allen Schärfegraden von der rauchigen Chipotle bis hin zur überwältigend aromatischen Trinidad Scorpion und der Königin selbst, der Carolina Reaper; eine gute Chilimühle und eine ordentliche Gewürzmühle, mit der ich die kleinen Teufel pulverisieren kann. Übrigens bin ich kein Verfechter dieser schneller-höher-weiter-Mutproben-Tröpfchen mit Totenkopf-Logo und hochkonzentriertem Chili-Extrakt. Die sind einfach nur unfassbar scharf, sonst nix. Gute, getrocknete Chilis jedoch haben immer auch ihren ganz eigenen Geschmack, und wer auf den erst einmal gekommen ist, möchte ihn fortan nicht mehr missen.
Chiliöl setze ich mir immer wieder einmal an. Das ist ganz einfach und (wie auch beim Salbenrühren) mittels Kalt- oder Warmauszug zu bewerkstelligen. Für den Kaltauszug gibt man zerkleinerte, leicht angestoßene getrocknete Schoten in ein Schraubverschlussglas (oder in eine gut verschließbare Flasche mit breiter Öffnung), übergießt sie mit gutem Öl (ich greife da gern zu Erdnussöl aus ungerösteten Erdnüssen, das ist sehr hitzebeständig und hat keinen nennenswerten Eigengeschmack), fügt für den besonderen Gaumenkick noch einen Esslöffel grob gemörserten Szechuan-Pfeffer dazu und stellt das ganze für die nächsten vier bis sechs Wochen an einen dunklen Ort. Gelegentlich wird das Aquarium liebevoll begutachtet und geschüttelt, ehe man das Öl schließlich durch ein Sieb oder sogar einen Kaffeefilter in eine am besten dunkle, gut verschließbare Flasche abfiltert. Die Haltbarkeit richtet sich ganz generell nach dem Haltbarkeitsdatum des Öls. Der Warmauszug ist etwas für Ungeduldige oder für Glückliche, die so viele frische Chilis haben, dass sie nicht wissen, wohin damit... die Chilis einfach mit Kern und Schale klein schneiden, in einem Topf oder einer Pfanne gut mit Öl bedecken, erwärmen (Vorsicht: nicht frittieren...) und einige Stunden oder über Nacht ziehen lassen (dabei auch gerne mehrmals abkühlen lassen und wieder erwärmen). Auch hier kann man natürlich zur Geschmacksvervollkommnung alles mögliche - Szechuan-Pfeffer, Limettenschale, Zimtblüte oder Knoblauch zum Beispiel - dazugeben. Am Ende wird auch dieses Öl abgeseiht und in eine dunkle Flasche abgefüllt. Bitte tut euch generell den Gefallen und nehmt bei kalt ausgezogenem Öl niemals frischen Knoblauch, der verdirbt nämlich leider sehr schnell, und das ist weder lecker noch gesund.
Dieses Chiliöl (dessen Schärfegrad je nach verwendeter Sorte von "lieb" bis "evil" reichen kann) eignet sich hervorragend zum Anbraten von Dingen, denen man eine tiefgreifende, von innen heraus pulsierende Schärfe verleihen will. Ich nehme es immer auch für meine Salsa, die in meinem Kühlschrank nie fehlt, weil ich sie für mein Leben gern mit Tortilla-Chips snacke.

Du brauchst nur ganz wenige Zutaten:
  • kleingeschnittene Chilis, am besten frisch, die Menge richtet sich ganz nach den subjektiven Wunschvorstellungen. Mehr und schärfere Chilis = mehr Wumms, nicht wahr?
  • Paprika (bei mir sind es immer so ca. zwei Paprikas pro 500 Gramm Tomaten), würfelig geschnitten
  • ca. 500 g Tomaten, in der Saison frisch, ansonsten gern aus der Dose
  • 1 feingehackte kleine Zwiebel
  • 2-3 feinst gehackte Knoblauchzehen
  • etwas Chiliöl zum Anbraten
  • 1-2 EL (brauner) Zucker
  • 1 Schuss Essig mit ca. 6-7% Schärfe, da hat ja jeder seinen Liebling, für mich tut's der ganz normale Apfelessig
  • (Chili-)Salz
  • optional: (Szechuan-)Pfeffer, frisch aus der Mühle, je nach Gusto noch weitere pulverisierte Chilis, natürlich auch andere Gewürze (ich hab zum Beispiel gern die Variante mit gemörserten Zimtblüten und Ras-El-Hanout)

Und so geht's:

die frischen Chilis, die Paprika und die gehackte Zwiebel im Chiliöl anbraten, bis die Zwiebeln schön goldgelb sind. Nun den Zucker zugeben und etwas karamellisieren lassen (es funzt übrigens auch mit Birkenzucker!), mit einem Schuss Essig ablöschen und sofort die Tomaten zugeben. Salzen und würzen nach persönlichem Gusto und anschließend bis zur gewünschten Konsistenz einkochen lassen. Fertig ist die scharfe Sauce.

Ich füll sie mir immer noch kochendheiß in kleine Gläschen ab und lagere sie nach dem Abkühlen im Kühlschrank. Die Salsa wird vermutlich so ca. zwei Wochen haltbar sein, aber offengestanden ist sie bei mir immer schon nach ein paar Tagen wieder alle und ich muss für Nachschub sorgen. Übrigens eignet sie sich auch hervorragend als Dip zu Gebratenem oder Gegrilltem aller Art.

In diesem Sinne: fröhliches Brennen!

 

Es war gegen Ende des Jahres 1999, als ich mich - bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahnsinnig an der Parfumeurskunst interessiert - in meinen ersten großen Duft verliebte. Ich sang damals Background in einer Band und teilte das Hotelzimmer mit der zweiten Sängerin, und so geschah es eines Samstags im Spätherbst, dass ich an ihrem Parfum roch, das da stand; und es war nichts Geringeres als "Opium" von Yves Saint Laurent. Es hatte sie an diesem Wochenende wie eine warme, einladende, freundliche Aura umgeben, wobei, danke Zufall, sie es nicht immer benutzte und wir uns kurz danach völlig aus den Augen verloren haben. Wie magisch ich mich zu diesem Duft hingezogen fühlte! Ich wollte, musste ihn an mich bringen. Gleich am Montag zog ich los, um ein Fläschchen zu erstehen, und ließ fortan mein Jil Sander "Sun" in irgendeinem Eck verstauben.

"Opium" steht bis heute in zweifacher Ausführung in meinem Badezimmerschränkchen; ich besitze neben der modifizierten aktuellen Version aus 2009 auch noch die ältere, die ich horte wie einen Schatz, weil sie wilder ist, dunkler und animalischer. Und obwohl ich dieser Ikone bis heute treu bin und sie jahrelang ausschließlich trug, blieb es nicht bei dieser unanfechtbaren Diva unter den Orientalen. Heute befinden sich in meiner Sammlung neben Chanel No 5 auch zarte Eau de Toilettes, zum Beispiel der hübsche Lavendelduft von Bronnley, oder das zitronige Lemon & Ginger von 4711, und ein paar Gourmands, zum Beispiel Chopards "Wish" und sein außerirdischer Zwilling "Angel" von Mugler, den ich als Pröbchen bekam, als ich wieder einmal mein "Opium" kaufte, 15 Jahre völlig vergaß und dann wieder in mein Leben holte.

Warum ich das alles erzähle? Weil es mich zum Kosmetikrühren brachte. Ich bin, was Düfte angeht, sehr pingelig. Eine Bodylotion aus dem Drogeriemarkt, schrill parfümiert mit synthetischen Duftnoten, die ebenso gut in einem Spülmittel oder Badreiniger eingesetzt werden könnten, und da drauf dann "Opium", "Angel" oder "Chanel No 5"? Das ging sich für meine Nase nie aus. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele fast volle Tuben und Flaschen mit Körperpflege auf meinem Weg liegen, weil sie meine Nase beleidigten. Es gab immer gerade noch akzeptable Lösungen, aber glücklich war ich nie.

So kam ich dann ca. 2010 über den Umweg des Seifensiedens aufs Selberrühren, und seither gestalte ich mir meine Körperpflege genau meinen olfaktorischen Bedürfnissen entsprechend. Da ich, was Parfüms anbelangt, sehr stark auf der orientalischen, pudrigen und gourmandigen Seite angesiedelt bin, ist es nicht verwunderlich, dass ich meine Cremes gern mit ein wenig Vanille, Nelkenknospe, Orangenblüte, Ylang Ylang, Benzoe, Rose, Palmarosa, Hölzern und Weihrauch verfeinere. Damit schaffe ich eine dezente Basis, die genau zu den Düften passt, die ich trage; die ihnen eine Bühne bereitet und sich leise im Hintergrund hält (dass ich meiner Haut damit etwas Gutes tue, versteht sich von selbst, denn ich verwende wenige Zutaten, keine synthetischen Zusatzstoffe und als Konservierung reinen Weingeist).

Gestern, und hier kommen wir nun endlich zum Rezept, habe ich mir eine hübsche Version meiner "Creme für alles" gerührt, meine Standardpflege, die dank unkompliziertem Emulgator ganz schnell geht, wunderbar duftet und die Haut mit viel Feuchtigkeit versorgt: voilà, das Vanillebussi!

Fettphase

  • 10 g Mandelöl
  • 10 g Wiesenschaumkrautöl
  • 15 g Monoi de Tahiti/Vanille
  • 8 g Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate (Lamecreme)
  • 2 g Cetylalkohol (optional - der Emulgator Lamecreme kommt ganz gut ohne Co-Emulgatoren und Konsistenzgeber aus)

Wasserphase

  • 80 g Rosenwasser*
  • optional 1 Msp. Allantoin

Wirkstoffphase/Duft

  • optional 20 Tropfen D-Panthenol
  • je 2 Tropfen Benzoe siam, Cananga und Palmarosa
  • Konservierung nach Wahl/Dosierung nach Herstellerangabe. *Ich konserviere mit 96-prozentigem Weingeist über die Wasserphase, das sind in diesem Fall 69,7 g Rosenwasser und 10,3 g Weingeist. Die Haltbarkeit beträgt damit 6-8 Wochen.

Und so geht's:

Alle Zutaten der Fettphase und die Wasserphase in separaten Gefäßen gemeinsam im Wasserbad erwärmen, bis die Fettphase klar aufgeschmolzen ist, dabei das Allantoin, so gewünscht, im Rosenwasser auflösen. Die Wasserphase schluckweise zur Fettphase geben und etwa 2 Minuten mit einem geeigneten Mixer (es reicht ein Gerät mit kleinem Schneebesenaufsatz) emulgieren, dann sanft händisch weiterrühren, bis die Emulsion auf Handwärme abgekühlt ist. Nun optional das D-Panthenol und die ätherischen Öle einarbeiten und in desinfizierte Tiegel abfüllen.

Das Vanillebussi ist übrigens die Bühne für meinen aktuell bevorzugten Liebling "Wish", der mich in den letzten Wochen auf Schritt und Tritt begleitet. 🙂

Über Kommentare, Anregungen, Erfahrungen und dufte Geschichten freue ich mich wie immer sehr.

 

[Disclaimer/wichtiger Hinweis: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin, Chemikerin oder Kosmetikerin noch Botanikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]