Springe zum Inhalt

2

Keine Ahnung, wie das bei euch so ist, aber in meinem Regal stehen eigentlich immer irgendwelche Ölauszüge und Tinkturen, die ihrer Vollendung entgegenträumen. 🙂

Der heurige Sommer hat mir neben Schafgarbe, Ringelblume und Lavendel auch Johanniskrautöl feinster Qualität beschert, aber nicht nur - ich bin irgendwo auf die Idee gestoßen, Gewürznelken in Öl auszuziehen, und das Ergebnis ist großartig.

Das ätherische Nelkenöl (erhältlich sind grundsätzlich Nelkenknospe, Nelkenblätter oder Nelkenblüte mit unterschiedlichen therapeutischen Einsatzgebieten) ist ja in unseren Breiten vor allem als Hausmittel bei Zahnschmerzen bekannt, besticht aber auch durch seine desinfizierende Wirkung auf die Haut - und durch seinen Duft. Da diese ätherischen Öle in konzentrierter Form haut- und schleimhautreizend wirken können, ist bei der Anwendung aber große Vorsicht geboten. Ein kalter Ölauszug von zerstoßenen Gewürznelken, wie man sie in jedem Supermarkt als Gewürz kaufen kann, hat hingegen eine viel schwächere Wirkung, duftet aber wunderbar und lässt sich hervorragend in Cremes einsetzen. Bitte aber trotzdem auch hier um Vorsicht und kleinen Über-Nacht-Test in der Ellbogenbeuge vor der großflächigen Anwendung. Bei Rötungen oder anderen Hautreizungen darf das Öl natürlich keinesfalls verwendet werden!

Ich habe unlängst beim genussvollen Herumprobieren zwei Rezepturen kreiert, die beide ein solches Gewürznelkenmazerat beinhalten und sie nun nach mehrwöchiger Testphase als postenswert befunden, so here we go.

I. leichte Gesichtscreme mit Orangenblütenwasser, Nelke, Weihrauch und Rose (im Airless-Spender)

Fettphase

  • 5 g Gewürznelkenmazerat
  • 5 g Lavendelmazerat
  • 2,5 g Montanov68
  • 2,5 g Sheabutter

Wasserphase

  • 35 g Orangenblütenwasser
  • 1 Msp. Allantoin

Wirkstoffphase

  • ein paar Tropfen D-Panthenol
  • 1 ML/ca. 2,5 g Weihrauchtinktur
  • 1 gtt. ätherisches Rosenöl/Rose absolue
  • Konservierung nach Wahl/Dosierung nach Herstellerangabe. Ich konserviere mit 96-prozentigem Weingeist über die Wasserphase, das sind in diesem Fall 30,5 g Orangenblütenwasser und 4,5 g Weingeist, wobei die Weihrauchtinktur zur Konservierung gezählt werden kann, da ich den Weihrauch selbst in 96-prozentigem Weingeist ausgezogen habe.

Bei dieser Rezeptur ist es ratsam, einen Stabmixer einzusetzen, da der Emulgator Montanov68, den ich hier schon einmal ausführlicher vorgestellt habe, ordentliche Scherkräfte benötigt. Selbstverständlich kann man den Emulgator auch austauschen, mir und meiner Gesichtshaut gefällt er halt besonders gut. Die Creme duftet schon von sich aus zart nach Nelke, Lavendel und Orangenblütenwasser; ein Duft, der durch die Zugabe von Weihrauchtinktur und Rosenöl zu einer wunderbar warm-würzigen Sinnesfreude wird.

Und so geht's:

Fettphase und Wasserphase gemeinsam im Wasserbad auf ca. 80 Grad erhitzen. Das Allantoin, so gewünscht, im Orangenblütenwasser auflösen. Die Wasserphase in einem zur Fettphase geben und ca. 2-3 Minuten mit dem Stabmixer emulgieren, dann händisch weiterrühren, bis die Emulsion auf Handwärme abgekühlt ist. Nun nach und nach die Wirkstoffe einarbeiten und abfüllen. Da die Emulsion recht dünnflüssig ist, eignet sich hier - auch im Sinne der hygienischen Entnahme - ein Airless-Spender besonders gut.

 

II. zarte Handcreme mit Orangenblütenwasser, Shea und Bienenwachs

Die Zauberzutat für leichte, schnell einziehende Handcremes mit hoher Pflegewirkung ist in meinen Augen Bienenwachs, das einen ganz leichten Film hinterlässt, der die viel beanspruchte Haut auf den Händen schützt und beruhigt. Ich habe das Glück, von einem Bekannten mit eigenem Bienenstock ab und an Wachs zu bekommen, das natürlich ganz besonders toll ist, weil es aus der Region stammt. Als Emulgator kommt hier das gute alte Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate aka Lame zum Einsatz, unübertroffen in seiner einfachen Handhabe und sehr pflegend. Übrigens lieben auch meine Füße diese Rezeptur. 🙂

Fettphase

  • 6 g Lavendelmazerat
  • 6 g Gewürznelkenmazerat
  • 4 g Shea
  • 2 g Bienenwachs
  • 4 g Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate (Lame)

Wasserphase

  • 40 g Orangenblütenwasser
  • 1 Messerspitze Allantoin

Wirkstoffphase

  • ein paar Tropfen D-Panthenol
  • 2 Tropfen Vitamin E
  • 2,5 g Weihrauchtinktur
  • je ein Tropfen Ylang Ylang und Rose, 2 Tropfen Benzoe siam
  • Konservierung nach Wahl/Dosierung nach Herstellerangabe. Konservierung mit 96-prozentigem Weingeist: 34,8 g Orangenblütenwasser + 2,3 g Weingeist - die Weihrauchtinktur nicht miteinberechnet)

und so geht's:

die Fettphase und die Wasserphase im Wasserbad erwärmen, bis alle Bestandteile der Fettphase klar aufgeschmolzen sind. Die Wasserphase in kleinen Schlucken zur Fettphase geben und dabei - hier reicht ein Stabmixer mit Schneebesenaufsatz oder sogar ein Milchaufschäumer - aufschlagen, bis die Emulsion spürbar angedickt ist. Bitte auch hier händisch weiterrühren, so vermeidet man Lufteinschlüsse, die sich nicht nur optisch und haptisch ungünstig auf das fertige Produkt auswirken, sondern auch Einbußen in puncto Haltbarkeit nach sich ziehen. Wenn die Creme auf Handwärme abgekühlt ist, nach und nach die Wirkstoffe zugeben und in saubere, desinfizierte Tiegel abfüllen.

 

[Disclaimer/wichtiger Hinweis: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin, Chemikerin oder Kosmetikerin noch Botanikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

Der gute Lavendel ist ja quasi das Universalgenie unter den Heilpflanzen. Ihm werden beruhigende und entspannende Eigenschaften zugeschrieben, er soll gegen Kopfschmerzen und Schlafprobleme wirken, Insekten abwehren, Insektenstiche heilen, gegen Sonnenbrand und unreine Haut helfen, die Wundheilung fördern und überhaupt eins der besten Mittel zur allgemeinen Hautpflege sein - die Liste seiner positiven Wirkungen ist wahrscheinlich einige Kilometer lang.

Ich liebe den Duft von Lavendel schon seit meiner Kindheit. Ich mag Lavendel als Sirup, im Tee, als Hydrolat und ätherisches Öl und natürlich in Duftsäckchen im Kleiderschrank - und ich verwende wahnsinnig gern das schön altmodische Lavendel-Eau de Toilette von Bronnley. 🙂

Gern stelle ich auch einen Ölauszug der getrockneten Blüten her, wie in diesem Beitrag ausführlich beschrieben. Dieses Öl, das ich gestern abgefiltert habe, duftet wunderbar intensiv und ist eine hervorragende Basis für eine ganz einfache und sehr hautverträgliche Creme, die ich für den ganzen Körper verwende.

Sie kommt bewusst mit ganz wenigen Zutaten aus. Da ich den Lavendel in kaltgepresstem Biosonnenblumenöl ausgezogen habe, habe ich hier schon alles, was meine Haut braucht: es besticht durch einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren und zieht daher schnell ein, darüber hinaus enthält es die Vitamine A, B, D, E und K.

mein Rezept geht so:

  • 25 g Lavendelmazerat in Sonnenblumenöl
  • 5 g Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate aka Lame*
  • 60 g Wasserphase - destilliertes Wasser, Lavendelhydrolat, Rosenwasser etc. (da ich mit 96-prozentigem Weingeist konserviere, verwende ich 53,8 g Rosenwasser und 6,2 g Weingeist, um eine 12-prozentige Konservierung zu erhalten, die eine Haltbarkeit von ca. 6-8 Wochen erzielt. Wenn du nicht mit Alkohol konservieren möchtest, nimmst du 60 g Wasserphase und dann entsprechend dosiert einen anderen handelsüblichen Konservierer deiner Wahl, zum Beispiel Rokonsal, Heliozimt, Paraben K, Kaliumsorbat oder Biokons)
  • optional ein Schwupps D-Panthenol**
  • optional noch ein paar Tropfen Lavendelöl, wenn du den Duft verstärken möchtest.

Gib das Öl und den Emulgator ein feuerfestes Gefäß und die Wasserphase in ein zweites. Erwärme beides im Wasserbad, bis die Fettphase klar aufgeschmolzen ist. Anschließend gibst du die Wasserphase schluckweise und unter Einsatz eines Mixgerätes zur Fettphase. Ein Mixstab mit Schneebesenaufsatz reicht hier völlig aus. Mixe die Emulsion kurz auf und rühre dann händisch mit einem Spatel, Glasstab oder Löffel weiter, sonst bekommst du durch den Lufteinschluss Mousse, das nicht nur nicht schön aussieht, sondern auch Einbußen in puncto Haltbarkeit nach sich zieht. Wenn die Creme auf Handwärme heruntergekühlt ist, kannst du das D-Panthenol und eventuell ein paar Tropfen Lavendelöl hinzufügen. In gut gereinigte und desinfizierte Tiegel abfüllen - fertig.

*Lamecreme aka Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate ist der wahrscheinlich am leichtesten zu verarbeitende Emulgator, den ich kenne. Er ist äußerst einfach in der Handhabe, braucht keinen weiteren Co-Emulgator oder Konsistenzgeber, schmilzt bei ca. 65 Grad und erzeugt wunderschöne, zarte Emulsionen, die sich leicht auftragen lassen, gut einziehen und ein gepflegtes Hautgefühl erzeugen. Lame ist in sich schon sehr reichhaltig und pflegend und für normale bis trockene Haut bestens geeignet. Man benötigt zur Verarbeitung keine hohen Scherkräfte, ich habe schon von einigen Rührerinnen gehört, die ihn sogar mit dem Milchaufschäumer emulgieren. Als Alleskönner kann man ihn für leichte Lotionen genauso einsetzen wie für mollig-dicke Bodybutter. Auch verträgt er locker die weitere Zugabe von Flüssigkeit bis zur gewünschten Konsistenz. Man erhält ihn bei allen Anbietern von naturkosmetischen Rohstoffen und mittlerweile sogar auf Amazon.

**D-Panthenol ist ein klarer, geruchloser, etwas zähflüssiger Wirkstoff, der im Körper zu Vitamin B5 umgewandelt wird und aufgrund seiner hautberuhigenden, entzündungshemmenden und sogar wundheilenden Eigenschaften bei mir standardmäßig in fast jede Creme kommt. Man erhält ihn ebenfalls bei allen Rohstoffanbietern.

 

[Disclaimer/wichtiger Hinweis: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin, Chemikerin oder Kosmetikerin noch Botanikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

2

Es ist Sommer, es ist heiß, überall blüht und summt es - Hochsaison für Selbermacher. 🙂 Heuer ist ein extrem gutes Jahr, und bei mir zuhause träumt in der warmen Jahreszeit eigentlich sowieso immer der eine oder anderen Ölauszug seiner Vollendung entgegen: Gundermann, Löwenzahn und Gänseblümchen im Frühjahr, Schafgarbe, Johanniskraut, Ringelblume und Lavendel dann später. Der Mann nennt die Gläser liebevoll "Aquarien" und schüttelt sie auch gern einmal dann und wann - praktisch, denn das ist bei Ölauszügen wichtig, damit sich die Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial lösen können.

Wer einen Garten hat und dortselbst gar Lavendel, hat es jetzt überhaupt gut. Schon einmal Lavendelöl ausgezogen? Nein? Dann solltest du dir das unbedingt gönnen. Und keine Sorge, wenn du keinen Garten hast (ich bin im Moment auch nur Balkongärtnerin mit beschränktem Platzangebot...) - das funktioniert auch hervorragend mit getrockneten Lavendelblüten aus der Apotheke oder aus dem Bioladen. Wenn du deinen Lavendel selber erntest, solltest du die Pflanzen vorher ein paar Tage trocknen lassen, damit dein Ölansatz durch die Feuchtigkeit nicht schimmeln kann.

Für das Mazerat einfach die Blüten (auch das zerkleinerte Kraut selbst, wenn du es zur Verfügung hast) in ein Glas geben (ca. 3-4 EL pro 250 g Öl), gut mit den Fingern (oder beispielsweise mit dem Stielende eines Kochlöffels) andrücken, bis du in einer Duftwolke sitzt, dann mit einem guten, möglichst duftneutralen Öl auffüllen (besonders gut eignen sich zum Beispiel Distel-, Mandel-, Traubenkern- und Sonnenblumenöl; Olivenöl ist aufgrund seines starken Eigengeruchs hier nicht optimal), sodass die Blüten zur Gänze bedeckt sind, fest zuschrauben und mindestens vier Wochen an einem schattigen Platz ausziehen lassen. Möglichst einmal am Tag sollte das Glas geschwenkt oder geschüttelt werden, damit die Wirkstoffe noch besser ins Öl übergehen können.

Übrigens scheiden sich die Geister nach wie vor daran, ob man Ölauszüge generell in die Sonne oder in den Schatten stellen soll. Mir persönlich erscheint es plausibel, dass Öle per se lichtempfindlich sind und daher nicht ins Sonnenlicht gehören. Das einzige Mazerat, das ich definitiv an einem sonnigen Plätzchen ausziehen lasse, ist das Johanniskrautöl, aber dem widme ich demnächst ohnehin einen eigenen Beitrag.

Nach vier Wochen kann man das Öl dann abseihen (durch ein Leinentuch oder, so mache ich das immer, durch einen Kaffeefilter) und entweder pur für die Körperpflege nach dem Duschen/Baden, als Massageöl oder natürlich als duftende Zutat für Cremes und Salben verwenden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Natürlich ist ein solcher Lavendelölauszug wesentlich weniger wirksam als ätherisches Lavendelöl, er duftet aber wunderbar nach Lavendel und hat sicher noch die eine oder andere Eigenschaft, die wir am Lavendel so schätzen - zum Beispiel die erfrischende, pflegende, beruhigende und insektenabweisende Wirkung.

Ein solches Mazerat ist ca. 6 Monate haltbar (ich richte mich immer nach dem Haltbarkeitsdatum des Trägeröls). Da getrocknete Lavendelblüten ohnehin das ganze Jahr über zur Verfügung stehen, sollte man immer daran denken, nicht zuviel auf einmal auszuziehen; es wäre schade um die guten Rohstoffe.

In diesem Sinne: viel Spaß beim Mazerieren - und bei Fragen könnt ihr mir natürlich gern einfach einen Kommentar hinterlassen. 🙂

frisch angesetzter Lavendelölauszug
... aus gekauften Lavendelblüten in Sonnenblumenöl

 

[wie immer möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin noch Chemikerin oder Kosmetikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]