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Wer jetzt Ringelblumen im Garten hat, sollte sich unbedingt ein paar Blüten abzweigen und sich daraus eine Ringelblumensalbe machen. Die geht schnell, ist wirklich einfach und hat sich in der Volksmedizin seit Jahrhunderten bestens bewährt, wenn es um die Pflege trockener, wunder, rissiger Haut und die Heilung kleiner (auch schlecht heilender und entzündlicher) Wunden, Ekzeme, Abschürfungen, kleinflächiger Verbrennungen und Kratzer geht. Die Inhaltsstoffe wirken antibakteriell/entzündungshemmend, heilend, regenerierend und beruhigend.

Die gelben und orangen Ringelblumenblüten sollte man (wie alle Heilpflanzen) immer an einem sonnigen Tag frühestens dann ernten, wenn der Tau auf den Blättern abgetrocknet ist (manche sagen, der frühe Nachmittag ist der beste Zeitpunkt). Übrigens wird das Blütenwachstum angeregt, wenn die Blüten regelmäßig (inklusive ca. 20 cm Stengel) abgeschnitten werden. Schlaue Gärtner lassen aber natürlich genügend Blüten dran, über die sich unsere Freunde von der Bienen- und Insektenfraktion freuen; außerdem bildet die Pflanze dann wieder Samen und vermehrt sich mit ein bisschen Glück.

Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, diesen Schatz zu verarbeiten: die Pflanze kann man entweder in Alkohol zu einer Tinktur oder in Öl ausziehen. Hier gibt es die Möglichkeit des Kaltauszuges (auf den ich an dieser Stelle nicht weiter eingehe), oder, was mir persönlich bei Frischpflanzen generell lieber ist, des Warmauszuges, den ich ein bisschen genauer vorstelle.

Einige der volksmedizinischen Tradition verpflichteten Autoren sind der Überzeugung, dass man das Pflanzenmaterial - möglichst in Schweineschmalz - über einen Zeitraum von ein bis zwei Tagen richtiggehend auskochen muss, um die Wirkstoffe optimal zu extrahieren; ich persönlich konnte mich aber bisher noch nicht dazu durchringen, weil wir es hier ja mit recht hitzeempfindlichen Stoffen zu tun haben (andere Autoren der neueren Schule sagen wiederum, man darf die Ringelblume niemals über 30 Grad erhitzen...) - deshalb halte ich den schonenden Warmauszug im Wasserbad für plausibel und für am besten geeignet. Aber das muss jeder für sich herausfinden; Versuch macht kluch. 🙂

Du brauchst:

  • einige frische Ringelblumenblüten (die Blütenblättchen)
  • ein Pflanzenöl deiner Wahl - ich nehme sehr gern kaltgepresstes Bio-Kokosöl, das der Salbe eine wunderschöne Konsistenz verleiht
  • Bienenwachs (pro 10 Gramm fertigem Ölauszug 0,5 bis 1 Gramm)

gib die abgezupften Blütenblättchen in ein Marmeladeglas und soviel Öl dazu, dass sie gut bedeckt sind. Optimalerweise pürierst du die Blüten gemeinsam mit dem Öl - je kleiner das Pflanzenmaterial, umso intensiver wird das Mazerat. Erwärme das Ganze im Wasserbad und lasse es mindestens zwei, besser drei Stunden sanft vor sich hinköcheln. Du kannst auch von Zeit zu Zeit den Herd abschalten und die Mischung dann wieder erhitzen oder sie überhaupt über Nacht stehen lassen und am nächsten Tag noch einmal erwärmen. Zwischendurch immer wieder umrühren schadet auch nicht.

Das Öl färbt sich durch diesen Vorgang tiefgelb bis orange, da die Ringelblume unter anderem Carotinoide enthält.

Filtere den fertigen Ölauszug anschließend in ein sauberes Gefäß ab, zum Beispiel durch einen handelsüblichen Kaffeefilter.

In der Folge wiegst du alle Zutaten ab - die Menge des Bienenwachses richtet sich nach der Menge des Öls (wie oben erwähnt je nach gewünschter Konsistenz 0,5 bis 1 g Bienenwachs pro 10 g Öl) - und erwärmst diese Mischung im Wasserbad erneut, bis das Bienenwachs klar aufgeschmolzen ist.

 

Gut durchrühren, in saubere und desinfizierte Tiegel abfüllen und bis zum Erkalten offen stehen lassen (damit sich auf der Deckelinnenseite kein Kondenswasser bildet).

Die fertige Salbe sollte kühl und dunkel gelagert werden. Die Haltbarkeit richtet sich grundsätzlich nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum des verwendeten Trägeröls.

Wer die Salbe noch cremiger mag, kann natürlich Wollwachs/Lanolin anhydrid oder eine feste Pflanzenbutter wie beispielsweise Shea oder Kakaobutter hinzufügen. Eine sehr schöne Kombination bzw. Abwandlung, die ich persönlich gern mache, weil sich die Wirkung sehr gut ergänzt und intensiviert, ist eine Mischung von Ringelblumenöl mit einem kalt ausgezogenen Gewürznelkenmazerat. Dazu die Gewürznelken mörsern, mit soviel hochwertigem Pflanzenöl auffüllen, dass sie gut bedeckt sind, und an einem warmen Platz ca. zwei Wochen ausziehen lassen. Dieses Öl duftet fein nach Nelken und hat ebenfalls antiseptische, aber auch wärmende Eigenschaften. Ich gebe ca. 20 g Nelkenmazerat auf 100 g Ringelblumenöl und erhalte so eine dezent duftende, angenehm durchblutungsfördernde Salbe, die ich auch insbesondere für die Fußmassage schätze.

 

[Disclaimer/wichtiger Hinweis: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin, Chemikerin oder Kosmetikerin noch Botanikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

Die Radfahrer unter den Lesern werden das kennen - gerade jetzt im Sommer passiert es zumindest mir allzuleicht, dass man an anatomisch einwandfrei logischen Orten Druckstellen bekommt und sich buchstäblich einen Wolf fährt. 🙂

Gegen solchen Unbill hilft im Prinzip jede Wundschutzcreme für Babys, wie man sie von allen großen und weniger großen Marken kennt, aber als alter Selbermacherhase möchte man natürlich gerade in den sensibleren Gefilden seines Körpers weder Paraffin noch Parfümöle oder Parabene, die ja allesamt jetzt nicht unbedingt mit "Heilen" in Verbindung stehen, wenn ich es einmal höflich ausdrücke.

Deshalb rühre ich mir meine selber, und das ist wirklich nicht schwer. Voraussetzung ist, dass man sauber arbeitet, alle Arbeitsgeräte gründlich desinfiziert und wirklich gut konserviert; aber das ist ohnehin bei jeder Creme Pflicht, die in meiner Rührküche entsteht.

So eine Creme wirkt gut bei allen wunden Hautzuständen, mir hilft sie auch bei juckenden Schienbeinen, und das oft quasi über Nacht. Verantwortlich für die Wirkung ist unter anderem das Zinkoxid, das antiseptische und austrocknende Eigenschaften hat, die man gerade bei entzündlichen Zuständen in radfahrgeschädigten Körperregionen als sehr wohltuend und lindernd begrüßt.

Zinkoxid, ein weißes, lockeres Pulver, ist an sich weder wasser- noch öllöslich, es lässt sich aber ganz leicht in noch warmen Emulsionen dispergieren. Die fertige Formulierung selbst ist dann charakteristisch zäh und pastös (Stichwort Penaten) und bietet aufgrund dieser Konsistenz allein schon einen gewissen fühlbaren Schutz gegen äußere Einflüsse, Reibung etc.

Dieser Effekt wird durch den hohen Anteil an Lanolin anhydrid als Emulgator, das dem menschlichen Hautfett sehr ähnlich ist, und Bienenwachs noch gesteigert. Dazu kommt, dass man bei einer selbstgemachten Wundschutzcreme durch die Auswahl der Öle und Hydrolate bzw. Tinkturen die gewünschte Wirkung entsprechend verstärken kann. Ich habe bei diesem Rezept Lavendelauszug in Sonnenblumenöl (entzündungshemmend, hautberuhigend), Kamillenhydrolat und zusätzlich noch Kamillenextrakt verwendet, sehr gern greife ich auch zu Schafgarbenmazerat und Schafgarbentinktur.

Fettphase:

  • 22 g Lavendelmazerat
  • 6 g Bienenwachs
  • 12 g Lanolin anhydrid

Wasserphase:

  • 25 g Kamillenhydrolat
  • 1 Msp. Allantoin

Wirkstoffphase:

  • 5 g Zinkoxid in Pharmaqualität
  • 2 Messlöffel (ca. 2,5 ml) Kamillenextrakt, am besten in Weingeist
  • ein ordentlicher Schwupps D-Panthenol
  • ev. 2 Tropfen Lavendel fein und 2 Tropfen Elemi
  • optional noch einen Konservierer in der vom Hersteller angegebenen Dosierung - ich konserviere wie üblich über die Wasserphase; unter Berücksichtigung der hier eingesetzten Menge Kamillentinktur habe ich der oben angegebenen Menge noch 2 g Weingeist zugegeben und befinde mich damit in einem Konzentrationsbereich von mindestens 15 Prozent, der ausreicht, um die Creme theoretisch 6-8 Wochen haltbar zu machen. Da ich immer kleine Mengen rühre, habe ich sie aber meistens schon in der Hälfte der Zeit verbraucht.

Die Fettphase wird in einem Gefäß, die Wasserphase in einem zweiten Gefäß im Wasserbad erwärmt, bis das Bienenwachs vollständig geschmolzen ist und das Lanolin sich aufgelöst hat. Danach wird die Wasserphase schluckweise in die Fettphase eingerührt, der Einsatz eines Mixgerätes ist dabei nicht zwingend notwendig, aber ratsam. Wenn die Emulsion schön homogen ist und anzudicken beginnt (sie sollte mittlerweile Handwärme erreicht haben), kann man nach und nach die Wirkstoffe zugeben. Das Zinkoxid hebe ich mir immer bis zum Schluss auf und rühre es dann mit dem Rührgerät gut ein, sodass ich am Ende eine zwar zähe, aber glatte Creme bekomme.

 

Über Anregungen, Variationen und Ergänzungen in den Kommentaren freue ich mich wie immer sehr. Gutes Gelingen und ... gute Weiterfahrt ohne Wolf und wunden Po. 😉

 

[Disclaimer/wichtiger Hinweis: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin, Chemikerin oder Kosmetikerin noch Botanikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]