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Wer jetzt Ringelblumen im Garten hat, sollte sich unbedingt ein paar Blüten abzweigen und sich daraus eine Ringelblumensalbe machen. Die geht schnell, ist wirklich einfach und hat sich in der Volksmedizin seit Jahrhunderten bestens bewährt, wenn es um die Pflege trockener, wunder, rissiger Haut und die Heilung kleiner (auch schlecht heilender und entzündlicher) Wunden, Ekzeme, Abschürfungen, kleinflächiger Verbrennungen und Kratzer geht. Die Inhaltsstoffe wirken antibakteriell/entzündungshemmend, heilend, regenerierend und beruhigend.

Die gelben und orangen Ringelblumenblüten sollte man (wie alle Heilpflanzen) immer an einem sonnigen Tag frühestens dann ernten, wenn der Tau auf den Blättern abgetrocknet ist (manche sagen, der frühe Nachmittag ist der beste Zeitpunkt). Übrigens wird das Blütenwachstum angeregt, wenn die Blüten regelmäßig (inklusive ca. 20 cm Stengel) abgeschnitten werden. Schlaue Gärtner lassen aber natürlich genügend Blüten dran, über die sich unsere Freunde von der Bienen- und Insektenfraktion freuen; außerdem bildet die Pflanze dann wieder Samen und vermehrt sich mit ein bisschen Glück.

Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, diesen Schatz zu verarbeiten: die Pflanze kann man entweder in Alkohol zu einer Tinktur oder in Öl ausziehen. Hier gibt es die Möglichkeit des Kaltauszuges (auf den ich an dieser Stelle nicht weiter eingehe), oder, was mir persönlich bei Frischpflanzen generell lieber ist, des Warmauszuges, den ich ein bisschen genauer vorstelle.

Einige der volksmedizinischen Tradition verpflichteten Autoren sind der Überzeugung, dass man das Pflanzenmaterial - möglichst in Schweineschmalz - über einen Zeitraum von ein bis zwei Tagen richtiggehend auskochen muss, um die Wirkstoffe optimal zu extrahieren; ich persönlich konnte mich aber bisher noch nicht dazu durchringen, weil wir es hier ja mit recht hitzeempfindlichen Stoffen zu tun haben (andere Autoren der neueren Schule sagen wiederum, man darf die Ringelblume niemals über 30 Grad erhitzen...) - deshalb halte ich den schonenden Warmauszug im Wasserbad für plausibel und für am besten geeignet. Aber das muss jeder für sich herausfinden; Versuch macht kluch. 🙂

Du brauchst:

  • einige frische Ringelblumenblüten (die Blütenblättchen)
  • ein Pflanzenöl deiner Wahl - ich nehme sehr gern kaltgepresstes Bio-Kokosöl, das der Salbe eine wunderschöne Konsistenz verleiht
  • Bienenwachs (pro 10 Gramm fertigem Ölauszug 0,5 bis 1 Gramm)

gib die abgezupften Blütenblättchen in ein Marmeladeglas und soviel Öl dazu, dass sie gut bedeckt sind. Optimalerweise pürierst du die Blüten gemeinsam mit dem Öl - je kleiner das Pflanzenmaterial, umso intensiver wird das Mazerat. Erwärme das Ganze im Wasserbad und lasse es mindestens zwei, besser drei Stunden sanft vor sich hinköcheln. Du kannst auch von Zeit zu Zeit den Herd abschalten und die Mischung dann wieder erhitzen oder sie überhaupt über Nacht stehen lassen und am nächsten Tag noch einmal erwärmen. Zwischendurch immer wieder umrühren schadet auch nicht.

Das Öl färbt sich durch diesen Vorgang tiefgelb bis orange, da die Ringelblume unter anderem Carotinoide enthält.

Filtere den fertigen Ölauszug anschließend in ein sauberes Gefäß ab, zum Beispiel durch einen handelsüblichen Kaffeefilter.

In der Folge wiegst du alle Zutaten ab - die Menge des Bienenwachses richtet sich nach der Menge des Öls (wie oben erwähnt je nach gewünschter Konsistenz 0,5 bis 1 g Bienenwachs pro 10 g Öl) - und erwärmst diese Mischung im Wasserbad erneut, bis das Bienenwachs klar aufgeschmolzen ist.

 

Gut durchrühren, in saubere und desinfizierte Tiegel abfüllen und bis zum Erkalten offen stehen lassen (damit sich auf der Deckelinnenseite kein Kondenswasser bildet).

Die fertige Salbe sollte kühl und dunkel gelagert werden. Die Haltbarkeit richtet sich grundsätzlich nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum des verwendeten Trägeröls.

Wer die Salbe noch cremiger mag, kann natürlich Wollwachs/Lanolin anhydrid oder eine feste Pflanzenbutter wie beispielsweise Shea oder Kakaobutter hinzufügen. Eine sehr schöne Kombination bzw. Abwandlung, die ich persönlich gern mache, weil sich die Wirkung sehr gut ergänzt und intensiviert, ist eine Mischung von Ringelblumenöl mit einem kalt ausgezogenen Gewürznelkenmazerat. Dazu die Gewürznelken mörsern, mit soviel hochwertigem Pflanzenöl auffüllen, dass sie gut bedeckt sind, und an einem warmen Platz ca. zwei Wochen ausziehen lassen. Dieses Öl duftet fein nach Nelken und hat ebenfalls antiseptische, aber auch wärmende Eigenschaften. Ich gebe ca. 20 g Nelkenmazerat auf 100 g Ringelblumenöl und erhalte so eine dezent duftende, angenehm durchblutungsfördernde Salbe, die ich auch insbesondere für die Fußmassage schätze.

 

[Disclaimer/wichtiger Hinweis: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin, Chemikerin oder Kosmetikerin noch Botanikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

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Ich bin, das muss ich diesem Eintrag vorausschicken, definitiv Anhängerin der Schulmedizin. Homöopathie halte ich persönlich für teuren Schwachsinn (sorry für die Wortwahl und schön für jeden, dem's hilft). Ich bin froh, gegen fiese Kinderkrankheiten geimpft zu sein. Ich nehme eine Kopfschmerztablette, wenn's nimmer anders geht, und - äußerst ungern, äußerst selten, aber letztendlich einsichtig, wenn's sein muss - Antibiotika.

Aber. Die größte und beste Apotheke, die ich kenne, ist vor der Haustür. Im Wald und auf der Wiese. Die Menschen machen sich seit Jahrtausenden die Wirkstoffe von Pflanzen, Wurzeln, Harzen zunutze, um Beschwerden zu lindern und Krankheiten zu heilen. Klar, bei riskanten Misteltherapien gegen Krebs wird es ganz schnell ganz gefährlich, aber gegen Erkältungen, Schmerzen des Bewegungsapparates, Neurodermitis - all die kleinen Zipperlein eben, die uns von Zeit zu Zeit alle einmal erwischen, helfen pflanzliche Wirkstoffe oft schneller und insgesamt effizienter als synthetische. Natürlich ist es für die meisten völlig logisch, Symptome einer Erkältung mit Neocitran auszuschalten, den lästigen Schnupfen mit Nasenspray zu bekämpfen und Paracetamol gegen die Kopfschmerzen zu nehmen. Empfehlen viele Hausärzte. Aber sorry, gesund ist das nicht. Der Körper hat ja diverse tolle Mechanismen, um mit Erregern fertigzuwerden: Fieber, Schwitzen, die tiefgreifende Müdigkeit und die Kopfschmerzen, die einen dann an den einzig sinnvollen Platz treiben; nämlich ins Bett, wo man ein paar Tage bleibt, um sich auszukurieren, anstatt mit Brausepulver und Schmerztabletten weiterzufunktionieren und dafür wochenlang nicht so richtig gesund zu werden. Und diesen Prozess kann man sehr wohl unterstützen, mit der richtigen Ernährung, Tees und Salben - und nein, man muss nicht studiert haben, um sich dieses Wissen zugänglich zu machen.

Übrigens lehne ich persönlich es ab, von "sanfter Pflanzenmedizin" zu sprechen; das hat mich immer schon gestört. Pflanzen sind weder sanft noch nebenwirkungsfrei, sie können in der falschen Dosierung und Frequenz angewendet großen Schaden anrichten. Deshalb sollte jeder, der sich mit der Thematik beschäftigt, neugierig, aber respektvoll agieren, sich ihr langsam und achtsam nähern und sofort die Anwendung stoppen, wenn er das Gefühl hat, dass sie ihm nicht gut tut.

Nach dieser vielleicht etwas langatmigen Kurzerläuterung meiner persönlichen Philosophie, die ich hier aber einfach einmal explizit loswerden musste, weil es hier nicht mehr nur um das Thema Kosmetik geht, kommen wir jetzt zum interessanten Teil 🙂 - zum Johanniskraut.

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Das von Ende Juni bis in den August hinein gelb blühende Johanniskraut wird in der hiesigen Volksmedizin wahrscheinlich schon mindestens seit Jahrhunderten genutzt und war Arzneipflanze des Jahres 2015. Seine Wirkstoffe sind gut erforscht, die traditionellen Einsatzgebiete sind Depressionen und, in Form des rubinroten Öls, das ich jährlich herstelle und von dem heute hier die Rede ist, Kreuzschmerzen, Hexenschuss, Rheuma und sogar Gicht; Verrenkungen, Verstauchungen, Prellungen, Blutergüsse, Verbrennungen und Sonnenbrand. Es gibt zahlreiche Quellen, die von einer entzündungshemmenden Wirkung sprechen, weiters wird dem Johanniskrautöl nachgesagt, dass es ein hilfreiches Öl zur Fußmassage ist, das nicht nur die Durchblutung fördert, die Haut geschmeidig macht und wärmt, sondern auch Hornhaut verringert. Man sagt, und das gefällt mir sogar als Metapher, obwohl ich pragmatisch veranlagt bin, dass das Rotöl die Energie der Sonne speichern und sie in den dunklen Monaten an den Anwender abgeben kann. Diese Aussage ist insofern bemerkenswert, als das Hypericin und somit jener Bestandteil der Pflanze, der auch für die Rotfärbung des Öls zuständig ist, die Lichtempfindlichkeit der Haut steigert. An dieser Stelle sei explizit gesagt, dass man Zubereitungen mit Johanniskrautöl niemals auf Stellen auftragen soll, die man anschließend der Sonne aussetzt, denn das kann zu heftigen Reaktionen führen.

Was man für eine gute Johanniskrautsalbe braucht, ist Johanniskraut, gutes Olivenöl, Bienenwachs, am besten in Bioqualität und optimalerweise von einem Imker in der Umgebung, und - Zeit.

die Zutaten: Johanniskrautöl, Bienenwachs und in dieser Ausführung Harz

Beim Johanniskrautöl hat jeder sein Geheimrezept, und jedes ist das beste. Manche geben Blüten und Kraut ins Öl, manche nur die Blüten, manche lassen das Öl in der prallen Sonne stehen, andere im dunklen Schrank; manche sprechen von einer Ziehzeit von zwei Monaten, manche filtern es nach zwei Wochen ab. Einig sind sich alle bei der Sammelzeit - es muss ein warmer, sonniger Tag sein, das Kraut in voller Blüte.

Auch an dieser Stelle die eindringliche Bitte, behutsam zu sammeln. Nicht kübelweise ausreißen und dabei ganze Pflanzen zerstören, um dann literweise Öl anzusetzen, das kein Mensch je verbrauchen kann. Ich komme mit zwei Handvoll Blüten in ungefähr 500 ml Öl bestens durchs Jahr, und ein Jahr ist das Rotöl auch ungefähr haltbar. Da sind wir nämlich wieder beim Thema: Johanniskraut ist keine sanfte Naturmedizin, die man sich einfach mal so überall hinschmiert, weil es so eine schöne Farbe hat, sondern eine mächtige Heilsalbe, die man aus dem Schrank holt, wenn man sie braucht.

 

Rotöl nach drei...
... und fünfeinhalb Wochen Mazeration

Ich lasse die Blüten immer ein paar Stunden im (Halb-)Schatten anwelken (und gebe kleinen Bewohnern die Chance, sich einen anderen Platz zu suchen), ehe ich sie in ein Glas gebe und mit dem Öl übergieße, sodass alle Pflanzenteile vollständig bedeckt sind, um Schimmelbildung zu vermeiden. Das Glas schraube ich gut zu, dann stelle ich es an einen Platz mit viel Sonne und lasse das Johanniskraut ungefähr fünf bis sechs Wochen ausziehen, wobei ich es ca. einmal am Tag schüttle.

Wenn ich feststelle, dass die rubinrote Farbe nicht mehr intensiver wird, filtere ich das Öl möglichst am Abend eines Sonnentages durch einen Kaffeefilter ab (weil es dann noch etwas warm und dünnflüssiger ist). Dieser Vorgang kann mehrere Stunden dauern.

für das Abfiltern reicht eine Karaffe, ein Trichter und ein Kaffeefilter.
... es kann einige Stunden dauern, bis das rubinrote Öl vollständig abgefiltert ist.

Anschließend fülle ich das fertige Johanniskrautöl in (Braunglas-)Flaschen, die ich im Keller lagere. So hält sich das Öl bis zu einem Jahr.

Für eine Johanniskrautsalbe braucht man 100 g Öl und 0,5 bis 1 g Bienenwachs pro 10 g Öl, je nach gewünschter Konsistenz. Man kann auch noch einen Klecks Lanolin anhydrid hinzufügen, das der Salbe eine noch bessere Streichfähigkeit verleiht und sehr hautfreundliche Eigenschaften hat, da es dem menschlichen Hautfett ähnlich ist.

die Zutaten abwiegen...
... und im Wasserbad erwärmen, bis das Bienenwachs geschmolzen ist
... in gut gereinigte und desinfizierte Tiegel abfüllen und vor dem Verschließen etwas abkühlen lassen, damit sich kein Kondenswasser bilden kann. Die fertige Salbe ist ca. 6 Monate haltbar.

Ein weiteres Rezept, das ich gern rühre, ist eine Kombination aus 2/3 Johanniskrautöl, 1/3 Lärchen- oder/und Fichtenharz, der entsprechenden Menge Bienenwachs und ein paar Tropfen Zirben- und Zedernöl. Diese Salbe hilft mir gut gegen aufkommende Erkältungen. Ich trage sie vor dem Schlafengehen auf der Brust, um die Nase und auf den Fußsohlen auf, ziehe warme Socken an und packe mich ins Bett.

Johanniskraut-/Pechsalbe mit Zirbe und Zeder

Falls ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid, wünsche ich euch viel Freude beim Sammeln und Rühren dieses kostbaren Schatzes, und falls ihr selber schon seit Jahren und Jahrzehnten rührt, freue ich mich über Ergänzungen und Anregungen in den Kommentaren.

[wie immer möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin noch Chemikerin oder Kosmetikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

Dass der Wald Heilkräfte hat und der Aufenthalt zwischen Bäumen nicht nur die Seele beruhigt, sondern auch messbar das menschliche Immunsystem stimuliert (weshalb in Japan das Waldbaden als Art umfassende Aromatherapie sogar vom Gesundheitswesen gefördert wird), war unlängst sogar im populärwissenschaftlichen Magazin P.M. zu lesen. Ich musste grinsen, denn ich bin als Landkind natürlich ohnehin von Kindesbeinen an auch ein Waldkind gewesen und fühle mich auch immer schon ganz besonders zu Bäumen hingezogen.

Eines der Geschenke des Waldes ist etwas, über das sich viele ärgern, die viel mit Holz arbeiten und oft damit in Berührung kommen: das klebrige, kaum von den Händen zu bekommende Harz der Nadelbäume.

Dieses Harz (Pech), bestehend aus Harzsäure und einer erklecklichen Menge an ätherischen Ölen, ist der Stoff, mit dem sich der Baum vor Verletzungen und Insekten schützt. Es duftet stark und hat eine (antimikrobielle) Heilwirkung, die in der Volksmedizin schon jahrhundertelang geschätzt wird und traditionell gegen viele Wehwehchen eingesetzt wurde: als Zugsalbe, bei Schürfwunden, Schnitten, Verletzungen, Rheumatismus, Schmerzen des Bewegungsapparates und Erkältungen, Husten, Halsschmerzen.

Ich habe in meiner persönlichen Kräuterapotheke immer eine Pechsalbe. Meistens erzeuge ich sie aus dem hier in meiner Gegend sehr häufig und in großen Mengen vorkommenden Fichtenharz, das man zu jeder Jahreszeit - sogar im Winter - sammeln kann. Sehr gerne arbeite ich auch mit Lärchenharz, auch genannt Venezianisches Terpentin, das ich allerdings von einem Kärntner Betrieb kaufe, weil es unwahrscheinlich schwierig ist, harzende Lärchen zu finden. (Lärchenharz kann eigentlich nur durch gezieltes Anbohren gewonnen werden, und da gibt es zum Beispiel in Kärnten tatsächlich noch Menschen, die das professionell betreiben.)

Interessant ist auch eine 1:1-Mischung der beiden Harze, wie in manchen überlieferten Rezepten vorgegeben - und wenn jemand einmal einen Dealer für Kiefernharz auftreiben sollte - bitte um sofortige Info, auf das wäre ich nämlich auch sehr gespannt (mir hat unlängst ein älterer Seifensieder versichert, das Kiefernharz wäre überhaupt das heilkräftigste, das er kennt). Die Krönung wäre natürlich Zirbenharz, aber das ist noch eine ganz andere Abteilung, die mit großen Strapazen verbunden ist, weil die Bäume nur in hohen Höhen wachsen und außerdem extrem widerstandsfähig sind. Man müsste sie damit auch aufsuchen, anbohren, einige Monate warten, wieder rauf und nachschauen, ob sich Harz gebildet hat. Sowas mache ich nicht. Zumal Zirben meines Wissens geschützt sind. Bleiben uns also die beiden Harze von Lärche und Fichte, aus denen man sich ganz wunderbare Salben herstellen kann.

Wenn ihr selber sammelt, bedenkt, dass der Baum sich mit dem Harz gegen Verletzungen schützt. BITTE seid daher so respektvoll wie es sich gehört, und nehmt vielen Bäumen jeweils ein bisschen Harz weg, nicht einem Baum viel.

Wenn man nun mit einer, zwei Handvoll ungereinigtem Harz zum Beispiel von der Fichte von so einem Waldspaziergang nach Hause gekommen ist, gibt man ca. 30 g Harz in ein Marmeladeglas, das man übrigens definitiv nie wieder sauber kriegen wird, und dazu 80 g Öl seiner Wahl (ich nehme da immer gern Olivenöl oder Sonnenblumenöl) und lässt das Ganze im Wasserbad ungefähr 2 Stunden leicht vor sich hin simmern, wodurch sich die lipophilen Bestandteile des Harzes lösen und ins Öl übergehen, während Rindenreste und andere nicht lösliche Verunreinigungen als klebriger, zäher Klumpen übrigbleiben. Den Auszug filtert man durch ein Haarsieb in ein weiteres Gefäß und erwärmt ihn wiederum mit Bienenwachs (je nach gewünschter Konsistenz 0,5 bis 1 Gramm pro 10 g Ölauszug) und optional einem Teelöffel Lanolin anhydrid im Wasserbad. Sobald das Bienenwachs geschmolzen ist (es empfiehlt sich eine Tropfenprobe auf einem Unterteller, ähnlich wie beim Marmeladekochen, um zu überprüfen, ob die Konsistenz stimmt; ich persönlich mag die Salbe nicht zu hart, damit ich sie leichter verreiben kann), wird die Salbe in desinfizierte Tiegel abgefüllt. Sie ist mindestens so lange haltbar wie das Trägeröl.

Bei der Lärchenharzsalbe mit gekauftem Lärchenterpentin ist die Sache noch viel einfacher, weil der Prozess des Ausziehens wegfällt. Man erwärmt einfach das Öl (plus optional Lanolin) mit dem Terpentin und dem Bienenwachs und füllt die fertige Salbe ab.

Selbstverständlich kann man hier mit Ölauszügen (zum Beispiel Johanniskraut oder Arnika) und ätherischen Ölen (zum Beispiel Zirbe, Fichte, Tanne, Kiefer...) die erwünschten Wirkungen noch weiter steigern, und selbstverständlich kann man Harz auch in Cremes verarbeiten. Dazu gibt es demnächst ein eigenes Rezept.

Die Rezeptur für die Harzsalbe hier noch einmal als Auflistung:

  • 30 g Harz
  • 80 g Öl
  • ein Teelöffel Lanolin anhydrid
  • 10 g Bienenwachs

Bitte Vorsicht - natürlich kann Harz, wie alle Rohstoffe, Allergien auslösen. Am besten trägt man die Salbe beim ersten Mal nicht großflächig auf. Sollte es zu einer allergischen Reaktion (Hautrötung,...) kommen, darf man die Salbe nicht anwenden.

[wie immer möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin noch Chemikerin oder Kosmetikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

Eine Salbe, die mich draußen immer begleitet und mir heuer schon einige Male gegen fiese Attacken kleiner, stechender Flugobjekte geholfen hat, ist die Spitzwegerichsalbe. Spitzwegerich wächst eigentlich in unseren Breiten überall und ist eines der besten Mittel gegen alles, was juckt und brennt. Landkinder kennen das: Du hast dich gebrennesselt? Dich hat eine Bremse gestochen? Du bist durchs Gestrüpp und hast leuchtend rote Kratzer, die richtig unangenehm sind? Such dir ein paar Blätter Spitzwegerich, zerreibe sie zwischen den Fingern, bis der Saft austritt, und trage Saft und Blätter auf die betroffene Hautpartie auf. Funktioniert so gut wie immer. 🙂

Nun ist es zwar so, dass der frische Saft der Pflanze definitiv am wirksamsten ist, man aber erstens nicht immer Lust auf völlig eingesaute Hände hat und es zweitens tatsächlich vorkommen kann, dass man (zum Beispiel tief im Wald) längere Zeit gar keinen Spitzwegerich antrifft: da ist es dann ratsam, immer ein Döschen Spitzwegerichsalbe mitzuhaben, und wie man die macht, erkläre ich euch heute.

bedenke bitte, dass man Spitzwegerich vom Frühling bis ganz spät im Jahr auf ziemlich allen Wiesen findet; mach also nicht unbedingt gleich kiloweise Salbe, sondern nimm nur soviel, wie du benötigst. Diese Salbe geht so schnell, dass man sie immer einmal mehr oder weniger zwischendurch herstellen kann, und je frischer, desto besser.

Da wir hier ausschließlich mit Fett und Wachs arbeiten, brauchen wir auch keine Konservierung. Die Haltbarkeit richtet sich nach der Haltbarkeit des verwendeten Öls. Man kann entweder zu Oliven-, oder Sonnenblumen-, Distel-, Raps- oder natürlich auch etwas edlerem wie Mandelöl greifen; ich nehme meistens Distelöl, weil es sehr gut haltbar ist und nicht so schwer aufliegt wie Olivenöl. Aber das ist einfach Geschmackssache.

Ich fülle die Salbe immer in Döschen à 15 g ab, die ich in der Apotheke kaufe, sie sind zwar leider aus Kunststoff, aber wirklich praktisch, wenn man unterwegs ist.

Für die Spitzwegerichsalbe benötigst du:

  • eine Handvoll Spitzwegerich, so fein wie möglich geschnitten
  • etwa 50 g Öl deiner Wahl
  • 1 Marmeladenglas + Topf fürs Wasserbad, ein zweites feuerfestes Gebinde (zum Beispiel einen Kaffeebecher), einen Trichter und einen Kaffeefilter
  • ca. 5 g Bienenwachs
  • optional einen Klecks Lanolin anhydrid
  • eventuell ätherische Öle: Limette und/oder Lavendel fein (pro 10 g Salbe 1 Tropfen)

zuerst brauchen wir einen warmen Ölauszug aus frischem Spitzwegerich: gib den geschnittenen Spitzwegerich in das Glas, übergieße ihn mit dem Öl und erwärme ihn im Wasserbad. Das Ganze sollte eine bis zwei Stunden leise vor sich hin simmern, wobei man ruhig auch zwischendurch einmal den Herd abschalten und es etwas abkühlen lassen kann. Wichtig ist, öfter einmal umzurühren. Nach ca. zwei Stunden wird die ganze Geschichte durch einen Kaffeefilter in das zweite Rührgefäß abgeseiht und mit dem Bienenwachs (und, wenn man möchte, dem Lanolin anhydrid) wieder erwärmt, wobei als Faustregel auf 10 g Ölauszug 1 g Bienenwachs kommt. Von der Konsistenz her sollte die Salbe relativ fest werden, was in Hinblick auf die Mitnahme zum Beispiel bei langen Sommerwanderungen nicht das schlechteste ist. 🙂 Um die perfekte Konsistenz herauszufinden, empfiehlt sich bei Salben generell immer die Tröpfchenprobe (ähnlich der Gelierprobe beim Marmeladekochen): einfach einen Tropfen auf einen Teller geben, kurz abkühlen lassen und die Festigkeit testen. Erscheint einem die Konsistenz zu hart, einfach noch ein bisschen Öl zugeben, bleibt die Mischung zu flüssig, mehr Bienenwachs hinzufügen. Das bekommt man aber sehr bald ins Gefühl, und wie gesagt, mit 1 g Wachs auf 10 g Öl liegt man meistens ganz gut.

Zum Schluss noch die ätherischen Öle unterrühren (Limette und/oder Lavendel duften nicht nur gut, sie wirken auch antibakteriell, adstringierend und gegen Juckreiz), abfüllen und beschriften.

Achtung, Limette kann phototoxisch wirken - deshalb bitte unbedingt Vorsicht mit der Dosierung. Laut der sehr guten Website Aroma 1x1 liegt die Maximaldosierung bei 14 Tropfen pro 100 ml. Quelle: http://aroma1x1.com/phototoxische-aetherische-oele/

 

[wie immer möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin noch Chemikerin oder Kosmetikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]