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Eine Creme für Gesicht, Körper, Hände oder Füße ist, anders als eine Salbe, die nur aus Öl und Wachs besteht, eine Emulsion aus einer wässrigen mit einer öligen Komponente, die man Wasserphase und Ölphase nennt.

Eine Cremerezeptur besteht daher grundsätzlich immer aus Wasser + Öl + Emulgator (plus eventuell Co-Emulgator und Konsistenzgeber). Je nachdem, wie das Verhältnis der wässrigen zu den öligen Komponenten ist, spricht man entweder von einer "Öl-in-Wasser" Ö/W- oder "Wasser-in-Öl" W/Ö-Formulierung.

Um die beiden - einander nicht freundlich gesonnenen - Kontrahenten Öl und Wasser zusammenzubringen, braucht man einen Emulgator, der sowohl einen hydrophilen (wasserliebenden) als auch einen lipophilen (fettliebenden) Teil hat und die beiden Flüssigkeiten zu einer stabilen Formulierung verbindet. In den allermeisten Fällen muss der Emulgator gemeinsam mit der Fettphase (feste und/oder flüssige Öle, Buttern) im Wasserbad erwärmt werden. Die Wasserphase (Wasser oder Hydrolat) erwärmt man in einem separaten Gefäß und arbeitet sie dann unter Zuhilfenahme eines Mixgerätes und/oder eines Glasrührstabes, Spatels oder einfach Löffels in die Fettphase ein, das kann je nach Emulgator tröpfchen- oder schluckweise bzw. mit der "One-Pot-Methode" erfolgen, bei der man die gesamte Wasserphase zur Fettphase gießt. Anschließend wird die Creme bis auf Handwärme gerührt, dann kann man die gewünschten Wirkstoffe hinzufügen, die Emulsion konservieren - und fertig ist das Wunderwerk. 🙂

Das klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Die meisten Arbeitsgeräte, die für die Cremeherstellung notwendig sind, findet man in der Küche. Was man braucht, ist:

  • ein Topf oder eine Pfanne für das Erwärmen im Wasserbad
  • 2 hitzebeständige Gefäße für Fett- und Wasserphase (das können Marmeladegläser, Kaffeetassen oder natürlich auch feuerfeste Becher aus der Apotheke sein)
  • eine Küchenwaage (optimalerweise digital), die mindestens grammgenau ist (ich benutze seit jeher eine digitale Küchenwaage aus dem Hause T*bo sowie seit zwei Jahren zusätzlich eine günstige Löffelwaage vom selben Anbieter, die auch Zehntelgramm messen kann)
  • einen Löffel, Spatel, Glasrührstab (sehr praktisch sind diese langen Cocktaillöffel aus Kunststoff)
  • ein Mixgerät (ich verwende je nach Emulgator einen Mixstab mit Schneebesenaufsatz sowie einen ESGE Zauberstab mit Quirlscheibe, der schon seit langer Zeit zur Ausstattung meiner Küche gehört), zur Not und für den Anfang tut es laut unterschiedlichen Quellen auch ein Milchaufschäumer, den ich allerdings noch nie ausprobiert habe

Bevor man ans Rühren geht, sollte man immer alle Arbeitsgeräte und Flächen sowie natürlich die Hände gut reinigen und desinfizieren; die ganz Sorgfältigen machen das durch Sterilisation/Auskochen, ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich alles Zubehör ganz normal in der Spülmaschine reinige und mit Isopropylalkohol desinfiziere, bevor ich mich an die Arbeit mache.

stelle die Zutaten bereit und wiege alle Komponenten ab...
erwärme Wasser- und Fettphase im Wasserbad, bis alle festen Bestandteile in der Fettphase geschmolzen sind und die Flüssigkeit komplett klar ist. Kontrolliere eventuell mit einem digitalen Thermometer die Temperatur.
füge nun die Wasserphase zur Fettphase und rühre anfangs mit dem Schneebesenaufsatz...
... oder, bei manchen Emulgatoren, die hohe Scherkräfte benötigen, mit dem Stabmixer (hier mit einer Quirlscheibe, wie man sie für Mayonnaise u.ä. benötigt)
rühre deine Creme sanft mit dem Löffel/Glasrührstab weiter. Wenn sie nur mehr handwarm ist, kannst du empfindliche Wirkstoffe (Vitamine, Fluids,...) sowie ätherische Öle oder ein Parfumöl und ein Konservierungsmittel einarbeiten.
... 10 Minuten später: fertig ist deine Creme.

 

Ein grundsätzliches Wort zur Konservierung: eine Creme, mag sie frisch gerührt noch so schön und rein aussehen und magst du bei der Herstellung noch so sauber gearbeitet haben, verkeimt aufgrund des wässrigen Anteils ohne Konservierung selbst wenn du sie im Kühlschrank lagerst und den Inhalt mit einem Spatel entnimmst, äußerst schnell - schließlich sind allein schon unsere Küchen alles andere als sterile Reinräume, ganz zu schweigen von den Mikroorganismen, die sich in so einer Creme bei jeder Entnahme ansiedeln. Ich empfehle dir also eindringlich, deine Cremes zu konservieren. Als Selbstrührer stehen uns dabei mehrere Substanzen zur Verfügung, zum Beispiel Rokonsal, Paraben K, Biokons, Kaliumsorbat, Heliozimt und - von mir präferiert - 96%iger Weingeist, der anders als die zuvor genannten, die tropfenweise unter die fertige Creme gerührt werden, zur Wasserphase gegeben wird und bei einer Einsatzmenge von 12-15 Prozent eine Haltbarkeit von rund 6-8 Wochen ergibt. Ich persönlich konserviere meine Cremes mit Weingeist, weil meine Haut das gut verträgt, weil er keinen Eigengeruch hat und mir außerdem als "am natürlichsten" erscheint; die Wahl der Konservierung ist aber immer Geschmackssache, man muss sich da womöglich einfach durchprobieren, bis man das Richtige für sich entdeckt hat.

Und hier schließlich noch ein paar abschließende allgemeine Tips, die ich Anfängern ans Herz legen möchte:

  • so viele Inhaltsstoffe wie notwendig - so wenige wie möglich. In gekauften Produkten finden sich unzählige Inhalts-, Zusatz-, Duft- und Wirkstoffe, die viel versprechen und oft wenig halten. Mit einem guten Hydrolat, zum Beispiel Rosenwasser, einem hochwertigen Öl, zum Beispiel Mandelöl, dem äußerst einfach zu handhabenden Emulgator Lamecreme und vier Tropfen Lavendelöl kannst du dir schon eine phantastische Creme zaubern, die gut duftet und deine Haut verwöhnt.
  • rühr kleine Mengen! In all den schön aufgemachten Zeitschriften und Magazinen finden sich oft geradezu absurde Mengenangaben, über die ich nur den Kopf schütteln kann, weil kein Mensch sie in einer vernünftigen Zeitspanne verbrauchen kann. Eine gut konservierte Creme hält 6 bis maximal 8 Wochen. Rühr lieber öfter, aber dafür maximal 2 x 50 g von einer Charge. Das hat nicht zuletzt den Vorteil, dass du experimentieren kannst und es keine Katastrophe darstellt, wenn du einmal eine Creme in den Sand setzt.
  • füll deine Creme in kleine Gebinde mit maximal 50 g Fassungsvermögen ab. Günstige Tiegel und Döschen aus Kunststoff bekommst du im Fachhandel und sogar in der Apotheke. Lagere Vorräte am besten im Kühlschrank. 
  • Sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber: beschrifte deine Cremes und vergiss nicht das Herstellungsdatum. 🙂
  • führe, gerade anfangs, ein "Rührtagebuch"! Mein eigenes "Hexenküchenlogbuch" umfasst (von der ersten Creme weg!) sämtliche Rezepte, Anmerkungen zu Konsistenz, Duft, Einziehverhalten, Aussehen etc., Bewertungen und auch Aufzeichnungen, wenn einmal etwas nicht geklappt hat, und es wird immer dicker.
  • Lerne deine Rohstoffe kennen! Es gibt sehr gute Bücher für Einsteiger, aber allein schon das Schmökern in (Online-) Katalogen der verschiedenen Anbieter, die fast immer sehr ausführliche Beschreibungen von Ölen, Buttern, Hydrolaten, Wirkstoffen und ätherischen Ölen veröffentlichen, bringt dich enorm weiter. Frag Google und Wikipedia, tiger dich ins Pharmawiki rein, verschlinge alte Kräuterbücher, stöbere in Foren... und wann immer du Gelegenheit hast, benütze deine Sinne - riechen, schmecken, fühlen, schauen - und finde heraus, wie Rohstoffe sich anfühlen, aussehen und duften (zum Beispiel gibt es in den meisten Apotheken ätherische Öle und Tester, an denen man dich sicher gern schnuppern lassen wird).
  • Learn the rules, then break the rules. Nein, Physik, Chemie und Naturgesetze können wir nicht überlisten. 🙂 Aber im Endeffekt ist es beim Cremerühren wie beim Kuchenbacken - anfangs traut man sich kaum, auch nur ein Gramm einer Zutat irgendwo wegzulassen oder hinzuzufügen, aber mit der Zeit findet man für sich heraus, an welchen Schräubchen man drehen kann, damit Formulierungen noch besser werden, und welche Komponenten man in welchem Ausmaß ändern kann. Dieses Tüfteln und Experimentieren macht großen Spaß und lässt das ganze Thema nie langweilig werden.