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Eine Salbe, die mich draußen immer begleitet und mir heuer schon einige Male gegen fiese Attacken kleiner, stechender Flugobjekte geholfen hat, ist die Spitzwegerichsalbe. Spitzwegerich wächst eigentlich in unseren Breiten überall und ist eines der besten Mittel gegen alles, was juckt und brennt. Landkinder kennen das: Du hast dich gebrennesselt? Dich hat eine Bremse gestochen? Du bist durchs Gestrüpp und hast leuchtend rote Kratzer, die richtig unangenehm sind? Such dir ein paar Blätter Spitzwegerich, zerreibe sie zwischen den Fingern, bis der Saft austritt, und trage Saft und Blätter auf die betroffene Hautpartie auf. Funktioniert so gut wie immer. 🙂

Nun ist es zwar so, dass der frische Saft der Pflanze definitiv am wirksamsten ist, man aber erstens nicht immer Lust auf völlig eingesaute Hände hat und es zweitens tatsächlich vorkommen kann, dass man (zum Beispiel tief im Wald) längere Zeit gar keinen Spitzwegerich antrifft: da ist es dann ratsam, immer ein Döschen Spitzwegerichsalbe mitzuhaben, und wie man die macht, erkläre ich euch heute.

bedenke bitte, dass man Spitzwegerich vom Frühling bis ganz spät im Jahr auf ziemlich allen Wiesen findet; mach also nicht unbedingt gleich kiloweise Salbe, sondern nimm nur soviel, wie du benötigst. Diese Salbe geht so schnell, dass man sie immer einmal mehr oder weniger zwischendurch herstellen kann, und je frischer, desto besser.

Da wir hier ausschließlich mit Fett und Wachs arbeiten, brauchen wir auch keine Konservierung. Die Haltbarkeit richtet sich nach der Haltbarkeit des verwendeten Öls. Man kann entweder zu Oliven-, oder Sonnenblumen-, Distel-, Raps- oder natürlich auch etwas edlerem wie Mandelöl greifen; ich nehme meistens Distelöl, weil es sehr gut haltbar ist und nicht so schwer aufliegt wie Olivenöl. Aber das ist einfach Geschmackssache.

Ich fülle die Salbe immer in Döschen à 15 g ab, die ich in der Apotheke kaufe, sie sind zwar leider aus Kunststoff, aber wirklich praktisch, wenn man unterwegs ist.

Für die Spitzwegerichsalbe benötigst du:

  • eine Handvoll Spitzwegerich, so fein wie möglich geschnitten
  • etwa 50 g Öl deiner Wahl
  • 1 Marmeladenglas + Topf fürs Wasserbad, ein zweites feuerfestes Gebinde (zum Beispiel einen Kaffeebecher), einen Trichter und einen Kaffeefilter
  • ca. 5 g Bienenwachs
  • optional einen Klecks Lanolin anhydrid
  • eventuell ätherische Öle: Limette und/oder Lavendel fein (pro 10 g Salbe 1 Tropfen)

zuerst brauchen wir einen warmen Ölauszug aus frischem Spitzwegerich: gib den geschnittenen Spitzwegerich in das Glas, übergieße ihn mit dem Öl und erwärme ihn im Wasserbad. Das Ganze sollte eine bis zwei Stunden leise vor sich hin simmern, wobei man ruhig auch zwischendurch einmal den Herd abschalten und es etwas abkühlen lassen kann. Wichtig ist, öfter einmal umzurühren. Nach ca. zwei Stunden wird die ganze Geschichte durch einen Kaffeefilter in das zweite Rührgefäß abgeseiht und mit dem Bienenwachs (und, wenn man möchte, dem Lanolin anhydrid) wieder erwärmt, wobei als Faustregel auf 10 g Ölauszug 1 g Bienenwachs kommt. Von der Konsistenz her sollte die Salbe relativ fest werden, was in Hinblick auf die Mitnahme zum Beispiel bei langen Sommerwanderungen nicht das schlechteste ist. 🙂 Um die perfekte Konsistenz herauszufinden, empfiehlt sich bei Salben generell immer die Tröpfchenprobe (ähnlich der Gelierprobe beim Marmeladekochen): einfach einen Tropfen auf einen Teller geben, kurz abkühlen lassen und die Festigkeit testen. Erscheint einem die Konsistenz zu hart, einfach noch ein bisschen Öl zugeben, bleibt die Mischung zu flüssig, mehr Bienenwachs hinzufügen. Das bekommt man aber sehr bald ins Gefühl, und wie gesagt, mit 1 g Wachs auf 10 g Öl liegt man meistens ganz gut.

Zum Schluss noch die ätherischen Öle unterrühren (Limette und/oder Lavendel duften nicht nur gut, sie wirken auch antibakteriell, adstringierend und gegen Juckreiz), abfüllen und beschriften.

Achtung, Limette kann phototoxisch wirken - deshalb bitte unbedingt Vorsicht mit der Dosierung. Laut der sehr guten Website Aroma 1x1 liegt die Maximaldosierung bei 14 Tropfen pro 100 ml. Quelle: http://aroma1x1.com/phototoxische-aetherische-oele/

 

[wie immer möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin noch Chemikerin oder Kosmetikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

Gerade jetzt im Sommer braucht die Haut (zumindest meine - ich tendiere zu trockener Haut, leider aber auch zu Unreinheiten und Entzündungen) viel Feuchtigkeit und gern auch genug Pflege, ohne aber schwer aufzuliegen oder die Hitze zu stauen.

Lange habe ich daher nach einem Emulgator gesucht, der nicht komedogen ist und meine zickige Gesichtshaut nicht zusätzlich irritiert; im Gesicht vertrage ich persönlich nämlich weder Lame noch Emulsan, auch nicht Wollwachs, Xyliance oder Tego. Nachdem ich einiges Positives über Montanov 68 gelesen hatte, versuchte ich vor einigen Wochen zum ersten Mal mein Glück, ohne mir allzu viel zu erhoffen; aber siehe da: das geht tatsächlich gut! Der Emulgator in Form weiß-transparenter Perlen hat überhaupt ganz tolle Eigenschaften. Er ist biologisch abbaubar (BDIH- und ecocert-konform), braucht keine weiteren Co-Emulgatoren oder Konsistenzgeber und erlaubt die Herstellung von Cremes, die sich luxuriös "sahnig" und reichhaltig anfühlen, aber dennoch leicht sind, gut einziehen und ein zartes Hautgefühl hinterlassen.

Montanov 68 ist im Prinzip sehr einfach zu verarbeiten, es gibt nur drei Punkte, die man beachten muss - erstens sollte die Temperatur von Wasser- und Fettphase ca. 80 Grad Celsius betragen und zweitens braucht man zum Rühren schon ein Gerät mit genug Wumms respektive Umdrehungen - es empfiehlt sich ein ordentlicher Stabmixer, optimalerweise mit einer Quirlscheibe, wie man sie etwa zur Erzeugung von Mayonnaise benötigt. Und schließlich soll man eine Montanov-Emulsion beim Rühren nicht ins kalte Wasserbad stellen, um sie rascher abzukühlen. Ein bisschen Geduld ist hier also gefragt, aber sie lohnt sich definitiv.

Beim Rühren selber habe ich die Erfahrung gemacht, dass es am sinnvollsten ist, die Wasserphase am Stück zur Fettphase zu geben, das ganze dann ca. 2, 3 Minuten mit dem Stabmixer hochtourig zu emulgieren und anschließend händisch weiterzurühren, bis die Creme auf Handwärme abgekühlt ist und die Wirkstoffe zugegeben werden können.

Bei dem Rezept meiner Tagescreme waren nun folgende Überlegungen im Spiel: sie soll meine Haut mit extra Feuchtigkeit versorgen und von den eingesetzten Ölen her leicht, aber reichhaltig genug sein. Die Öle und Wirkstoffe könnt ihr natürlich beliebig austauschen; als Konservierung kam bei mir Weingeist mit 96 Vol. % zum Einsatz, wer das nicht verträgt, greift bitte zu einem Konservierer seines Vertrauens in der notwendigen Einsatzkonzentration.

Meine Creme geht so:

I. Fettphase:

  • 8 g Aprikosenkernöl kaltgepresst/bio
  • 2 g Klettenwurzelöl (Mazerat in Sojaöl)
  • 2,5 g Sheabutter unraffiniert weiß/fest, ökol. Anbau
  • 2,5 g Montanov

II. Wasserphase:

  • 31 g Rosenwasser
  • 4 g Weingeist 96 Vol %

III. Wirkstoffe:

1 Msp. Allantoin, gelöst in der warmen Wasserphase, 4 Tropfen Seidenprotein, 4 Tropfen Aloe Vera 10-fach, 4 Tropfen D-Panthenol, je 1 Tropfen Lavendel fein, Ylang Ylang Complete, Cananga und Elemi.

Aprikosenkernöl ist, insbesondere in kaltgepresster Qualität, eine wirkliche Wohltat. Es ist recht eng mit dem altbewährten Mandelöl verwandt, hat keinen nennenswerten Eigengeruch und ergibt wunderschöne, weiche Cremes. Vorsicht bei einer bekannten Nussallergie. Klettenwurzelöl, ein Mazerat der Klettenwurzel meist in Sojaöl, ist eine feine Sache bei empfindlicher Haut, ich habe gerade bei Entzündungen und Juckreiz beste Erfahrungen damit gemacht. Man kann das Mazerat selbst herstellen, in meinem Fall ist es diesmal gekauft. Sheabutter ist ein absolut wunderbarer Rohstoff, der in Emulsionen sehr pflegend wirkt, ohne sie schwer und fettig zu machen und, anders als Kakaobutter, die ich in Formulierungen für Hände, Körper und Füße liebe, auch nicht komedogen ist. Shea gibt es in den unterschiedlichsten Qualitäten zu kaufen. Sie hat in völlig unraffiniertem Zustand einen recht eigenwilligen Eigengeruch, der nicht jeder Nase gefällt. Wer es neutral mag, greift am besten zu einer weißen/festen Variante; im Zweifelsfall sollte man beim Rohstoffhändler nachfragen.

Rosenwasser ist der Allrounder schlechthin - es ist für alle Hauttypen geeignet, duftet einfach wunderbar und wirkt pflegend, hautberuhigend und tonisierend.

Allantoin und D-Panthenol sind für mich Allround-Wirkstoffe, die ich so ziemlich jeder Creme zugebe. Allantoin wird eine zellregenerierende, entzündungshemmende, hautberuhigende Wirkung nachgesagt, D-Panthenol steigert das Feuchthaltevermögen der Haut, ist sogar wundheilungsfördernd und kann ohne Bedenken gerade bei empfindlicher Haut eingesetzt werden. Aloe Vera 10-fach Konzentrat ist ein wunderbarer Wirkstoff für feuchtigkeitsarme, irritierte Haut. Seidenprotein wirkt ebenfalls feuchtigkeitsspendend, es sorgt in der Creme außerdem für ein luxuriöses, seidiges Gefühl beim Auftragen. Die Kombination der ätherischen Öle ergibt einen für meine Nase wunderschönen Duft (ich nenne ihn "Natur-Nivea") - daneben haben sie auch alle unterm Strich eine hautberuhigende, feuchtigkeitsspendende Wirkung. (Über ätherische Öle und ihre Wirkungsweise möchte ich mich hier mangels Ausbildung aber nicht ausbreiten, ich weiß nur, was ich mir selber angelesen habe und gehe außerdem der Nase nach - bitte fragt bei näherem Interesse Google und/oder einen Aromatherapeuten eures Vertrauens!)

 

[wie immer möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin noch Chemikerin oder Kosmetikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

Es ist Sommer, es ist heiß, überall blüht und summt es - Hochsaison für Selbermacher. 🙂 Heuer ist ein extrem gutes Jahr, und bei mir zuhause träumt in der warmen Jahreszeit eigentlich sowieso immer der eine oder anderen Ölauszug seiner Vollendung entgegen: Gundermann, Löwenzahn und Gänseblümchen im Frühjahr, Schafgarbe, Johanniskraut, Ringelblume und Lavendel dann später. Der Mann nennt die Gläser liebevoll "Aquarien" und schüttelt sie auch gern einmal dann und wann - praktisch, denn das ist bei Ölauszügen wichtig, damit sich die Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial lösen können.

Wer einen Garten hat und dortselbst gar Lavendel, hat es jetzt überhaupt gut. Schon einmal Lavendelöl ausgezogen? Nein? Dann solltest du dir das unbedingt gönnen. Und keine Sorge, wenn du keinen Garten hast (ich bin im Moment auch nur Balkongärtnerin mit beschränktem Platzangebot...) - das funktioniert auch hervorragend mit getrockneten Lavendelblüten aus der Apotheke oder aus dem Bioladen. Wenn du deinen Lavendel selber erntest, solltest du die Pflanzen vorher ein paar Tage trocknen lassen, damit dein Ölansatz durch die Feuchtigkeit nicht schimmeln kann.

Für das Mazerat einfach die Blüten (auch das zerkleinerte Kraut selbst, wenn du es zur Verfügung hast) in ein Glas geben (ca. 3-4 EL pro 250 g Öl), gut mit den Fingern (oder beispielsweise mit dem Stielende eines Kochlöffels) andrücken, bis du in einer Duftwolke sitzt, dann mit einem guten, möglichst duftneutralen Öl auffüllen (besonders gut eignen sich zum Beispiel Distel-, Mandel-, Traubenkern- und Sonnenblumenöl; Olivenöl ist aufgrund seines starken Eigengeruchs hier nicht optimal), sodass die Blüten zur Gänze bedeckt sind, fest zuschrauben und mindestens vier Wochen an einem schattigen Platz ausziehen lassen. Möglichst einmal am Tag sollte das Glas geschwenkt oder geschüttelt werden, damit die Wirkstoffe noch besser ins Öl übergehen können.

Übrigens scheiden sich die Geister nach wie vor daran, ob man Ölauszüge generell in die Sonne oder in den Schatten stellen soll. Mir persönlich erscheint es plausibel, dass Öle per se lichtempfindlich sind und daher nicht ins Sonnenlicht gehören. Das einzige Mazerat, das ich definitiv an einem sonnigen Plätzchen ausziehen lasse, ist das Johanniskrautöl, aber dem widme ich demnächst ohnehin einen eigenen Beitrag.

Nach vier Wochen kann man das Öl dann abseihen (durch ein Leinentuch oder, so mache ich das immer, durch einen Kaffeefilter) und entweder pur für die Körperpflege nach dem Duschen/Baden, als Massageöl oder natürlich als duftende Zutat für Cremes und Salben verwenden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Natürlich ist ein solcher Lavendelölauszug wesentlich weniger wirksam als ätherisches Lavendelöl, er duftet aber wunderbar nach Lavendel und hat sicher noch die eine oder andere Eigenschaft, die wir am Lavendel so schätzen - zum Beispiel die erfrischende, pflegende, beruhigende und insektenabweisende Wirkung.

Ein solches Mazerat ist ca. 6 Monate haltbar (ich richte mich immer nach dem Haltbarkeitsdatum des Trägeröls). Da getrocknete Lavendelblüten ohnehin das ganze Jahr über zur Verfügung stehen, sollte man immer daran denken, nicht zuviel auf einmal auszuziehen; es wäre schade um die guten Rohstoffe.

In diesem Sinne: viel Spaß beim Mazerieren - und bei Fragen könnt ihr mir natürlich gern einfach einen Kommentar hinterlassen. 🙂

frisch angesetzter Lavendelölauszug
... aus gekauften Lavendelblüten in Sonnenblumenöl

 

[wie immer möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin noch Chemikerin oder Kosmetikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

Mit dem Wollwachsalkohol, dem Unverseifbaren des Wollwachses (Lanolin), haben wir einen ganz besonderen Emulgator vor uns, der uns erlaubt, eine Wasser-in-Öl-Emulsion ganz ohne technische Hilfsmittel herzustellen.

Der Rohstoff wird in Form von kleinen, weiß-gelblichen Pastillen angeboten und hat eine Reihe von wunderschönen Eigenschaften - er ist ein natürlicher Rohstoff, daneben (zumindest für meine Nase) ohne Eigengeruch, hat (wie das Lanolin - aber ohne dessen klebrige Haptik) eine ausgesprochen pflegende und rückfettende Wirkung und wirkt bei angegriffener Haut oft wahre Wunder. Ich setze ihn gern für richtig dicke Hand- und Fußcremes ein, eben überall dort, wo ich die volle Pflegepackung benötige.

mein Basisrezept für die Wollwachscreme (das ich vor einigen Jahren einmal fotografisch dokumentiert habe, daher bitte nicht über die MHDs auf den Verpackungen wundern...) besteht aus:

Fettphase:

  • 20 g Öl (zum Beispiel Mandelöl)
  • 5 g Wirkstofföl (zum Beispiel Schafgarben-, Rosen- oder Lavendelmazerat)
  • 2 g Sheabutter (oder Kakaobutter)
  • 1 g Wachs (zum Beispiel Bienenwachs, oder auch Rosen-, Jasmin-, Mimosenwachs, die diese Creme dann zu einem duftenden Luxusprodukt machen - in diesem Fall hatte ich das blumig duftende Mimosenwachs verwendet.)
  • 5 g Wollwachsalkohol

Wasserphase:

  • 30 g destilliertes Wasser oder Hydrolat - hier 26 g Rosenwasser und 4 g 96%iger Weingeist zur Konservierung
  • 1 Msp. Allantoin, falls erwünscht

Wirkstoffphase (je nach Gusto, Einsatzgebiet und Verfügbarkeit):

  • 7 Tropfen D-Panthenol
  • 1 ML Calendula-, Schafgarben- oder Kamillenextrakt
  • bis zu 4 Tropfen ätherische Öle (in diesem Fall waren es 2 Tropfen Rose absolue und 1 Tropfen Magnolie

und so einfach gehts - Schritt für Schritt:

alle Zutaten abwiegen und bereitstellen..
... Öle, Butter, Wachs und Wollwachsalkohol sowie das Wasser/Rosenwasser mit dem Allantoin in separaten Gefäßen im Wasserbad erwärmen, bis die Fettphase klar aufgeschmolzen ist ...
... Wasserphase unter ständigem Rühren in kleinen Portionen in die Fettphase einarbeiten ...
... *sanft* und geduldig rühren (nicht mixen, das mag der Wollwachsalkohol nicht!), bis die Creme so weit abgekühlt ist, dass nach und nach die Wirkstoffe eingearbeitet werden können. Bis zum vollständigen Erkalten und der richtigen Konsistenz weiterrühren - die Creme ist zuerst extrem dünnflüssig, wird dann fluffig und schließlich, Ausdauer lohnt sich, schön dick, opak und homogen.
... in ein desinfiziertes Cremetiegelchen abfüllen und mit dem Herstellungsdatum beschriften.

 

 

[wie immer möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin noch Chemikerin oder Kosmetikerin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

 

 

im Sommer ist unsere Haut durstig und der Gedanke an Kokosöl nicht fern, daher zeige ich euch heute ein supersimples Rezept mit ganz wenigen Zutaten für eine zart duftende, buttrige Creme mit Kokosöl, die ich gern für den ganzen Körper und insbesondere als Handpflege benütze. Kaltgepresstes Kokosöl sogar in Bioqualität gibt es ja mittlerweile in jedem Supermarkt (aber Achtung, ich meine nicht die gehärteten Produkte à la Ceres, sondern das ungehärtete Fett, das in Gläsern abgefüllt ist). Das Kokosöl wirkt hautberuhigend, glättend und nährend und verleiht der Creme auch ohne weitere Parfümierung einen wunderbar zarten Duft.

Du brauchst:

  • 18 g kaltgepresstes Kokosöl, am besten in Bioqualität
  • 4 g Lamecreme*
  • 30 g destilliertes Wasser oder Hydrolat oder, wenn du mit Weingeist konservieren willst, 26 g Wasser/Hydrolat und 4 g 96%igen Weingeist
  • optional 7 Tropfen D-Panthenol**, eine Messerspitze Allantoin***, 4 Tropfen Benzoe siam**** oder ein anderes ätherisches Öl, das dir gefällt.

gib das Kokosöl und die Lamecreme (= die Fettphase) in ein Gefäß und das destillierte Wasser/Hydrolat (= die Wasserphase) in ein weiteres. Die beiden Gebinde werden nun gemeinsam im Wasserbad erwärmt, bis die Lamecreme klar aufgeschmolzen ist. Anschließend wird das Wasser/Hydrolat schluckweise unter die Fettphase gerührt, am besten gelingt das mit einem Stabmixer mit kleinem Schneebesenaufsatz. Sobald die Emulsion andickt, und das geht in diesem Fall sehr schnell, wird sanft händisch weitergerührt. Ist die Creme auf Handwärme abgekühlt, kannst du die Wirkstoffe, zum Beispiel D-Panthenol und ätherische Öle sowie die Konservierung unterrühren und brauchst dein Cremchen nur noch in ein - bitte zuvor gründlich gereinigtes und (zum Beispiel mit Isopropylalkohol) desinfiziertes - Gebinde abfüllen.

ob man sich bei der Wasserphase für destilliertes Wasser oder ein Hydrolat entscheidet, ist reine Geschmackssache. Ich rühre diese Creme sehr gern mit Orangenblütenwasser, weil es nicht nur sehr gut duftet, sondern auch für alle Hauttypen geeignet ist und pflegende, hautverfeinernde Eigenschaften hat.

*Lamecreme aka Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate ist der wahrscheinlich am leichtesten zu verarbeitende Emulgator, den ich kenne. Er ist äußerst einfach in der Handhabe, braucht keinen weiteren Co-Emulgator oder Konsistenzgeber, schmilzt bei ca. 65 Grad und erzeugt wunderschöne, zarte Emulsionen, die sich leicht auftragen lassen, gut einziehen und ein gepflegtes Hautgefühl erzeugen. Lame ist in sich schon sehr reichhaltig und pflegend und für normale bis trockene Haut bestens geeignet. Man benötigt zur Verarbeitung keine hohen Scherkräfte, ich habe schon von einigen Rührerinnen gehört, die ihn sogar mit dem Milchaufschäumer emulgieren. Als Alleskönner kann man ihn für leichte Lotionen genauso einsetzen wie für mollig-dicke Bodybutter. Auch verträgt er locker die weitere Zugabe von Flüssigkeit bis zur gewünschten Konsistenz. Man erhält ihn bei allen Anbietern von naturkosmetischen Rohstoffen und mittlerweile sogar auf Amazon.

**D-Panthenol ist ein klarer, geruchloser, etwas zähflüssiger Wirkstoff, der im Körper zu Vitamin B5 umgewandelt wird und aufgrund seiner hautberuhigenden, entzündungshemmenden und sogar wundheilenden Eigenschaften bei mir standardmäßig in fast jede Creme kommt. Man erhält ihn ebenfalls bei allen Rohstoffanbietern.

***Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus, der Zellbildung oder der Zellregeneration und beruhigt die Haut, es steht uns als feines Pulver zur Verfügung, das in der Wasserphase aufgelöst wird - erhältlich ebenfalls überall, wo es Rohstoffe fürs Selberrühren gibt.

****Benzoe siam ist ein ätherisches Öl, eigentlich ein Harz, das durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird. Es hat hautberuhigende und sogar antiseptische Eigenschaften und duftet wunderbar nach Vanille, daher passt es sehr gut ins Duftgefüge dieser Creme. Gut vorstellbar sind hier auch Orange (aber Vorsicht, Zitrusöle können die Haut lichtempfindlich machen, daher sollte man sie nicht vor dem Sonnenbad auftragen!) oder auch Ylang Ylang bzw. eine Kombination daraus. Ätherische Öle erhält man bei den unterschiedlichsten Anbietern für kosmetische Rohstoffe, auf Amazon und natürlich in der Apotheke.

[Disclaimer/wichtiger Hinweis: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich weder Aromatherapeutin, Pharmazeutin, Biologin, Chemikerin oder Kosmetikerin noch Botanikerin oder Astronautin bin - die Verwendung meiner Rezepturen erfolgt daher auf eigene Gefahr und Verantwortung.]

Eine Creme für Gesicht, Körper, Hände oder Füße ist, anders als eine Salbe, die nur aus Öl und Wachs besteht, eine Emulsion aus einer wässrigen mit einer öligen Komponente, die man Wasserphase und Ölphase nennt.

Eine Cremerezeptur besteht daher grundsätzlich immer aus Wasser + Öl + Emulgator (plus eventuell Co-Emulgator und Konsistenzgeber). Je nachdem, wie das Verhältnis der wässrigen zu den öligen Komponenten ist, spricht man entweder von einer "Öl-in-Wasser" Ö/W- oder "Wasser-in-Öl" W/Ö-Formulierung.

Um die beiden - einander nicht freundlich gesonnenen - Kontrahenten Öl und Wasser zusammenzubringen, braucht man einen Emulgator, der sowohl einen hydrophilen (wasserliebenden) als auch einen lipophilen (fettliebenden) Teil hat und die beiden Flüssigkeiten zu einer stabilen Formulierung verbindet. In den allermeisten Fällen muss der Emulgator gemeinsam mit der Fettphase (feste und/oder flüssige Öle, Buttern) im Wasserbad erwärmt werden. Die Wasserphase (Wasser oder Hydrolat) erwärmt man in einem separaten Gefäß und arbeitet sie dann unter Zuhilfenahme eines Mixgerätes und/oder eines Glasrührstabes, Spatels oder einfach Löffels in die Fettphase ein, das kann je nach Emulgator tröpfchen- oder schluckweise bzw. mit der "One-Pot-Methode" erfolgen, bei der man die gesamte Wasserphase zur Fettphase gießt. Anschließend wird die Creme bis auf Handwärme gerührt, dann kann man die gewünschten Wirkstoffe hinzufügen, die Emulsion konservieren - und fertig ist das Wunderwerk. 🙂

Das klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Die meisten Arbeitsgeräte, die für die Cremeherstellung notwendig sind, findet man in der Küche. Was man braucht, ist:

  • ein Topf oder eine Pfanne für das Erwärmen im Wasserbad
  • 2 hitzebeständige Gefäße für Fett- und Wasserphase (das können Marmeladegläser, Kaffeetassen oder natürlich auch feuerfeste Becher aus der Apotheke sein)
  • eine Küchenwaage (optimalerweise digital), die mindestens grammgenau ist (ich benutze seit jeher eine digitale Küchenwaage aus dem Hause T*bo sowie seit zwei Jahren zusätzlich eine günstige Löffelwaage vom selben Anbieter, die auch Zehntelgramm messen kann)
  • einen Löffel, Spatel, Glasrührstab (sehr praktisch sind diese langen Cocktaillöffel aus Kunststoff)
  • ein Mixgerät (ich verwende je nach Emulgator einen Mixstab mit Schneebesenaufsatz sowie einen ESGE Zauberstab mit Quirlscheibe, der schon seit langer Zeit zur Ausstattung meiner Küche gehört), zur Not und für den Anfang tut es laut unterschiedlichen Quellen auch ein Milchaufschäumer, den ich allerdings noch nie ausprobiert habe

Bevor man ans Rühren geht, sollte man immer alle Arbeitsgeräte und Flächen sowie natürlich die Hände gut reinigen und desinfizieren; die ganz Sorgfältigen machen das durch Sterilisation/Auskochen, ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich alles Zubehör ganz normal in der Spülmaschine reinige und mit Isopropylalkohol desinfiziere, bevor ich mich an die Arbeit mache.

stelle die Zutaten bereit und wiege alle Komponenten ab...
erwärme Wasser- und Fettphase im Wasserbad, bis alle festen Bestandteile in der Fettphase geschmolzen sind und die Flüssigkeit komplett klar ist. Kontrolliere eventuell mit einem digitalen Thermometer die Temperatur.
füge nun die Wasserphase zur Fettphase und rühre anfangs mit dem Schneebesenaufsatz...
... oder, bei manchen Emulgatoren, die hohe Scherkräfte benötigen, mit dem Stabmixer (hier mit einer Quirlscheibe, wie man sie für Mayonnaise u.ä. benötigt)
rühre deine Creme sanft mit dem Löffel/Glasrührstab weiter. Wenn sie nur mehr handwarm ist, kannst du empfindliche Wirkstoffe (Vitamine, Fluids,...) sowie ätherische Öle oder ein Parfumöl und ein Konservierungsmittel einarbeiten.
... 10 Minuten später: fertig ist deine Creme.

 

Ein grundsätzliches Wort zur Konservierung: eine Creme, mag sie frisch gerührt noch so schön und rein aussehen und magst du bei der Herstellung noch so sauber gearbeitet haben, verkeimt aufgrund des wässrigen Anteils ohne Konservierung selbst wenn du sie im Kühlschrank lagerst und den Inhalt mit einem Spatel entnimmst, äußerst schnell - schließlich sind allein schon unsere Küchen alles andere als sterile Reinräume, ganz zu schweigen von den Mikroorganismen, die sich in so einer Creme bei jeder Entnahme ansiedeln. Ich empfehle dir also eindringlich, deine Cremes zu konservieren. Als Selbstrührer stehen uns dabei mehrere Substanzen zur Verfügung, zum Beispiel Rokonsal, Paraben K, Biokons, Kaliumsorbat, Heliozimt und - von mir präferiert - 96%iger Weingeist, der anders als die zuvor genannten, die tropfenweise unter die fertige Creme gerührt werden, zur Wasserphase gegeben wird und bei einer Einsatzmenge von 12-15 Prozent eine Haltbarkeit von rund 6-8 Wochen ergibt. Ich persönlich konserviere meine Cremes mit Weingeist, weil meine Haut das gut verträgt, weil er keinen Eigengeruch hat und mir außerdem als "am natürlichsten" erscheint; die Wahl der Konservierung ist aber immer Geschmackssache, man muss sich da womöglich einfach durchprobieren, bis man das Richtige für sich entdeckt hat.

Und hier schließlich noch ein paar abschließende allgemeine Tips, die ich Anfängern ans Herz legen möchte:

  • so viele Inhaltsstoffe wie notwendig - so wenige wie möglich. In gekauften Produkten finden sich unzählige Inhalts-, Zusatz-, Duft- und Wirkstoffe, die viel versprechen und oft wenig halten. Mit einem guten Hydrolat, zum Beispiel Rosenwasser, einem hochwertigen Öl, zum Beispiel Mandelöl, dem äußerst einfach zu handhabenden Emulgator Lamecreme und vier Tropfen Lavendelöl kannst du dir schon eine phantastische Creme zaubern, die gut duftet und deine Haut verwöhnt.
  • rühr kleine Mengen! In all den schön aufgemachten Zeitschriften und Magazinen finden sich oft geradezu absurde Mengenangaben, über die ich nur den Kopf schütteln kann, weil kein Mensch sie in einer vernünftigen Zeitspanne verbrauchen kann. Eine gut konservierte Creme hält 6 bis maximal 8 Wochen. Rühr lieber öfter, aber dafür maximal 2 x 50 g von einer Charge. Das hat nicht zuletzt den Vorteil, dass du experimentieren kannst und es keine Katastrophe darstellt, wenn du einmal eine Creme in den Sand setzt.
  • füll deine Creme in kleine Gebinde mit maximal 50 g Fassungsvermögen ab. Günstige Tiegel und Döschen aus Kunststoff bekommst du im Fachhandel und sogar in der Apotheke. Lagere Vorräte am besten im Kühlschrank. 
  • Sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber: beschrifte deine Cremes und vergiss nicht das Herstellungsdatum. 🙂
  • führe, gerade anfangs, ein "Rührtagebuch"! Mein eigenes "Hexenküchenlogbuch" umfasst (von der ersten Creme weg!) sämtliche Rezepte, Anmerkungen zu Konsistenz, Duft, Einziehverhalten, Aussehen etc., Bewertungen und auch Aufzeichnungen, wenn einmal etwas nicht geklappt hat, und es wird immer dicker.
  • Lerne deine Rohstoffe kennen! Es gibt sehr gute Bücher für Einsteiger, aber allein schon das Schmökern in (Online-) Katalogen der verschiedenen Anbieter, die fast immer sehr ausführliche Beschreibungen von Ölen, Buttern, Hydrolaten, Wirkstoffen und ätherischen Ölen veröffentlichen, bringt dich enorm weiter. Frag Google und Wikipedia, tiger dich ins Pharmawiki rein, verschlinge alte Kräuterbücher, stöbere in Foren... und wann immer du Gelegenheit hast, benütze deine Sinne - riechen, schmecken, fühlen, schauen - und finde heraus, wie Rohstoffe sich anfühlen, aussehen und duften (zum Beispiel gibt es in den meisten Apotheken ätherische Öle und Tester, an denen man dich sicher gern schnuppern lassen wird).
  • Learn the rules, then break the rules. Nein, Physik, Chemie und Naturgesetze können wir nicht überlisten. 🙂 Aber im Endeffekt ist es beim Cremerühren wie beim Kuchenbacken - anfangs traut man sich kaum, auch nur ein Gramm einer Zutat irgendwo wegzulassen oder hinzuzufügen, aber mit der Zeit findet man für sich heraus, an welchen Schräubchen man drehen kann, damit Formulierungen noch besser werden, und welche Komponenten man in welchem Ausmaß ändern kann. Dieses Tüfteln und Experimentieren macht großen Spaß und lässt das ganze Thema nie langweilig werden.